Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht

Elberadweg: Befahren verboten!

9 Kommentare

Heute zur Abwechslung nichts aus Dresden, sondern aus Radebeul, der groooooßen Kreisstadt.
Dort führt an der Elbe der Elberadweg entlang, angeblich Deutschlands beliebtester Radweg. In der Regel ist dieser in beide Richtungen befahrbar, wobei die Beschilderung und der bauliche Zustand für dieses Unterfangen wie üblich zu wünschen übrig lassen.
Nun nutzt man den Elberadweg zum gehen, laufen, Inlineskaten, Stöcke umhertragen, aber auch zum Radfahren. Dass das auf „Deutschlands beliebtesten Radweg“ nicht immer erwünscht ist zeigt die folgende Beschilderung:

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Verbot für Fahrzeuge aller Art – Willkommen auf dem Elberadweg

In der Nähe der Festwiese prangt das Wunderschöne Zeichen 250 am Weg: Verbot für Fahrzeuge aller Art. Besonders interessant finde ich zusätzlich Zeichen 258 „Verbot für Reiter“. Ein Pferd habe ich auf dem Elberadweg noch nie gesehen.

Anlieger dürfen natürlich durchbrettern. Damit sind die freundlichen Radebeuler Kleinparzellenbesitzer gemeint, die gern mal ihr motorisiertes Gefährt auf dem Elberadweg abstellen und damit die ganze Breite des Elberadweges einnehmen.

Einmal gab ich einem Angehörigen der intelektuellen Kleingartenelite den Hinweis, dass der Elberadweg kein Parkplatz ist, worauf mir geantwortet wurde, ich solle verschwinden, dies sei ein Privatweg. Wow, der private Elberadweg!

So, wir müssen also unser Gefährt schieben, wenn wir an den Wegelagerern mit dem grünen Daumen vorbei wollen. Jetzt wäre natürlich interessant, wann das Schild aufgehoben wird, damit wir wieder ordnungsgemäß den Elberadweg befahren dürfen.  Da der Elberadweg die Angewohnheit hat selten andere öffentliche Straßen zu kreuzen dauert das ein Weilchen …

Übrigens gibt’s in der Gegenrichtung keine derartigen Schilder auf dem beliebtesten Elberadweg Deutschlands.

 

Nachtrag:

Der Elberadweg führt offiziell nicht mehr dort entlang. Die aktuelle Route wird weiter über die Uferstraße -> Altkötzschenbroda -> Neue Straße -> Kötzschenbrodaer Str. -> Altserkowitz -> Serkowitzer Str. geführt. 

Auf OSM ist es noch falsch dargestellt, auf der Karte der Elberadwegseite ist es richtig eingezeichnet.

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9 Kommentare zu “Elberadweg: Befahren verboten!

  1. Was sagt denn das zuständige Tiefbauamt dazu?

    • Weiß ich nicht. Das ist eine der typischen Verkehrssituationen, in denen Ordnungswidrigkeiten stillschweigend geduldet werden, weil vermutlich selbst die Behörde, die den Verwaltungsakt angeordnet hat, weiß dass das Blödsinn ist.
      Ich werde morgen mal die zuständige Behörde für Verkehrsangelegenheiten anschreiben und nachfragen. Sachgebietsleiter ist da ein gewisser Ingolf Zill. Vielleicht sind die dort etwas auskunftsfreudiger, als das dresdner STA.

  2. Auch schön frech finde ich die Hinweise am Elbradweg in Höhe des Citybeach in Pieschen: „Ballspielbetrieb – Radfahrer bitte absteigen!“

  3. Der ElbeRADweg ist auch in Dresden teilweise kein Radweg: Östlich des Blauen Wunders ist der südlich der Elbe gelegene Weg über weite Strecken eine per Verkehrszeichen 260 (Verbot für Kraftfahrzeuge) für den KFZ-Verkehr gesperrte Straße – und an dieser müssen Fußgänger am rechten Fahrbahnrand gehen, während sie bei einem gemeinsamen Geh- und Radweg frei wählen können. In der Praxis spielt das natürlich kaum eine Rolle, schließlich benutzen alle Verkehrsteilnehmer den Straßenraum eher intuitiv, als dass sie auf derartige Beschilderung achten. Im Falle eines Unfalls könnte das aber relevant werden: ein findiger Anwalt eines Radfahrers, der dort einen Unfall mit einen Fußgänger hat, könnte mit Verweis auf die Beschilderung die Verteilung der Haftung deutlich zugunsten des Radfahrers verschieben. Schließlich muss man als Fahrzeugführer auf einem Gehweg eher mit plötzlichen Richtungswechseln von Fußgängern rechnen als auf einer allgemeinen Fahrbahn…

  4. Nicht nur Dresden und Radebeul leisten sich bauliche und verwaltungsrechtliche Totalaussetzer. Das zieht sich durch alle Bundesländer bis nach Cuxhaven. Da führt der Elberadweg Treppen hoch und runter, auf Grobpflaster entlang, dass man langsamer als Schrittgeschwindigkeit fahren muss, um das Rad nicht zu beschädigen und die altbekannten Schilder „Radfahrer absteigen“ sieht man auch immer mal.
    Sowas ist einfach nur peinlich.

  5. Interessanter Beitrag.

    Ich möchte mal so sagen: Ich bin eine von denen die in Radebeul am Elberadweg bei Kötzschenbroda ihren Garten haben. Hier mal zu Verständnis:

    Anlieger frei heißt: Anlieger dürfen mit dem Auto auf dem Radweg entlang fahren. Natürlich sollten Radfahrer davon nicht behindert werden, ein gegenseitiges Rücksichtsnehmen sollte aber von beiden Seiten vorhanden sein.

    Und richtig, der Radweg ist eigentlich Privat, denn dieser wurde auf den Grundstücken jedes einzelnen Gartenbesitzers gebaut. Heißt: Der Radweg gehört eigentlich den ganzen Gartenbesitzern. Würden alle ihre Zäune ziehen wie es eigentlich wäre, gäbe es in Kötzschenbroda keinen Radweg mehr.

    Wir wurden schon mehrmals von Fahrradfahrernzum Anhalten gezwungen weil diese meinten im Recht zu sein. Es kam in all den Jahren mindestens im Zweistelligen Bereich dazu, dass Fahrradfahrer die Polizei riefen und meinten wir würden unbefugt dort unten langfahren. Du darfst drei mal raten wie oft die Fahrradfahrer recht bekamen. Richtig! 0 Mal!

    Wir haben mehrmals bei der Stadt drum gebeten Befugungsschilder zu bekommen die man ins Auto legen kann, sodass Fahrradfahrer vielleicht mal nicht trotz ihres Unwissens glauben im Recht zu sein und etwas mehr Rücksicht nehmen – niente, nada. Kriegen wir nicht da auf das Verständnis der Radfahrer gehofft wird.

    Und du darfst auch drei mal raten wieviele Unfälle es dort unten gab aufgrund von Autos. Ich kenne keinen. Dafür aber einige aufgrund Radfahrer, da diese dort unten gern entlangraßen als seien sie auf der Flucht. An manchen stellen mag das gehen, aber offenbar glauben die meisten auch um Kurven blicken zu können, weswegen ich schon oft gesehen habe, wie welche auf die Nase gefallen sind, weil sie die Kurve nicht gekriegt haben oder aufgrund von anderen Radfahrern, Autos oder Fußgängern plötzlich bremsen mussten.

    Und zur Infos. Es gab vor einer Weile einen Unfall, da ist ein Radfahrer in Radebeul um eine solche Kurve gerast, in einen Kinderwagen gerast und hat das Kind aufgespießt. Seit dem läuft der Elberadweg offiziell auch nicht mehr an den Elbwiesen entlang sondern über Alt-Kötzschenbroda.

    So viel zu den bösen Autofahrern ;)
    Aber ich bin froh, dass es doch noch Radfahrer gibt die dort unten langfahren und die Schilder lesen. Dafür ein Daumen hoch. Ein Verstehen dieser Schilder wäre aber auch nicht verkehrt. Anlieger frei heiß Anliegerfrei, nicht ‚Autos dürfen hier nicht lang da vielleicht ein Fahrrad anhalten muss‘. Das müssen Fahrradfahrer übrigens auch manchmal wegen anderer Fahrradfahrer oder Fußgänger. Ist nun mal. Beschwert sich auch keiner, dass er an einer roten Ampel unerhörterweise anhalten muss.
    Gegenseitige Rücksichtsnahme wäre mal eine nette Erfindung ;)

    • Hallo Sibille,

      danke für deinen Beitrag und die Aufklärung. Ich hatte ja keine Ahnung, dass der Elberadweg mittlerweile offiziell woanders lang führt, wie vermutlich 95% derer die dort lang fahren und gehen. Damit entfällt ja die gesamte Grundlage für meinen Beitrag. :-)
      Tut mit natürlich Leid, dass ich den Gärtnern Unrecht getan habe.
      Ich hatte zwar die Radebeuler Verkehrsbehörde zweimal angeschrieben und gefragt, was das soll, aber die scheinen auf Kriegsfuß mit der Technik zu stehen. Die Mail konnte immer nicht zugestellt werden, aufgrund technischer Probleme beim Empfänger. So sehr hat’s mich dann doch nicht interessiert.
      Also dürfen Radfahrer tatsächlich nicht dort fahren und müssen wirklich schieben.

      Dass es sogar Radfahrer gibt, die die Bullen rufen finde ich interessant. Ich bin zwar auch recht kompromisslos, aber solange sich kein Unfall ereignet wäre mir meine Zeit dafür zu schade.

      Weißt du, ob die offizielle Route des Elberadwegs an der Stelle korrekt ausgeschildert ist? Mir ist da bisher noch nichts aufgefallen, aber diese sinnlosen Schilder in Postkartengröße übersieht man schnell mal.

      Ich werde den Beitrag nochmal ergänzen.

  6. Hey,

    ich weiß nicht seit wann der Radweg offiziell oben lang führt (ich weiß es auch erst seit kurzem da ich auch von dem Unfall auch nichts mitbekommen habe). Radfahrer fahren auch immer noch unten lang, daher denke ich, dass es schon noch erlaubt ist, aber wenn etwas passiert, wird die Stadt dann vermutlich nicht haften.

    Prinzipiell haben wir ja auch nichts gegen die Radfahrer, aber wir wünschen uns öfters mal einwenig mehr Rücksicht. Die wenigsten lesen die Schilder und wir fahren wirklich immer Rücksichtsvoll (wer baut schon gern einen Unfall?) Und dennoch kommt es eben immer wieder vor, das Radfahrer meinen schlauer zu sein und Rufen die Polizei. Oder sie beschimpfen uns einfach – das ist noch das häufgste. Einige schlagen auch mit der Hand aufs Auto und solche Sachen. Sowas ist einfach ärgerlich. Einmal hat eine Anliegerin sogar eine Morddrohung bekommen, wo man sich fragt was in den Köpfen vorgeht.
    Es ist einfach ärgerlich wenn man in den Garten oder von da Nachhause will und sich dafür beschimpfen lassen muss, dass man ein Teil von denen ist, die den Leuten den Fahrradweg überhaupt erst zur Verfügung stellen.

    Was die Ausschilderung für die Fahrradfahrer angeht kann ich dir jetz gar nicht sagen. Also ob die Schilder mittlerweile weg sind. Darauf habe ich nicht geachtet, da die Radfahrer so oder so dort lang fahren und wir ja auch nichts dagegen haben, solange diese freundlich sind.
    Z.B. da siehst du aber, dass der Radweg nicht mehr dort lang verläuft: http://www.elberadweg.de/index.php?id=241

    Und was die Stadt angeht: Die Interessiert sich sowieso für beide Seiten nicht. Wie gesagt wurden unsere Wünsche bezüglich der Autokaren verweigert und wenn die Radfahrer sich beschwert haben oder die Polizei riefen wurde auch nie etwas gemacht.

    LG

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