Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht


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Unfallträchtige Woche für Radfahrer in Dresden (und Umgebung)

Ursprünglich hatte ich nie vor über Fahrradunfälle im Blog zu berichten, u.a. deshalb, weil nie die ermittelte Unfallursache veröffentlicht wird. Die folgenden Diskussionen sind dabei oft sehr unsachlich.
Nach einiger Überlegung und eigener erneuter Betroffenheit werde ich nun doch über Radunfälle schreiben, hauptsächlich aus eigenem statistischen Interesse. Es werden leider nicht alle Radunfälle in den Pressemeldungen der Dresdner Polizei erwähnt, aber vielleicht finde ich noch eine Möglichkeit auch die anderen in Erfahrung zu bringen.

Diese Woche war in dieser Hinsicht leider sehr ereignisreich.
Am Dienstag wurde ein Radfahrer durch einen unachtsamen Autofahrer in Radebeul verletzt. Entgegen der Pressemeldung parkte der Autofahrer nicht am Fahrbahnrand, sondern in einer Parkbucht an der Moritzburger Straße. Der Autofahrer öffnete die Tür, offensichtlich ohne auf den Verkehr zu achten und verletzte damit einen Radfahrer schwer, der gegen die Tür fuhr.
Am Mittwoch wurde ich selbst in einen Unfall mit einem KFZ verwickelt. Näher Angaben möchte ich noch nicht machen. Nur so viel: Ich fuhr zwangsweise auf einem kombinierten Geh- und Radweg und wollte die Fahrbahn bei Grünlicht geradeaus überqueren. Und dann gab’s da noch die Rechtsabbiegerin im PKW …
Am Donnerstag wurde eine Radfahrerin auf der Grundstraße von einem KFZ schwer verletzt. Beim Linksabbiegen achtete der Fahrzeugführer offensichtlich nicht auf den Radverkehr und missachtete damit die Vorfahrt der Radfahrerin, was zum Zusammenstoß führte.
Der Unfall am Freitag ging glücklicherweise ohne ernsthafte Verletzungen aus. Ein Vater befuhr mit seinem Kind den Radweg des Käthe-Kollwitz-Ufers stadtauswärts. An der Kreuzung zur Fetscherstraße missachtete ein LKW-Fahrer beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt des Duos und das Kind geriet unter den LKW. Der LKW-Fahrer konnte beim Abbiegevorgang anhalten und das Kind wurde nicht überrollt.
Ebenfalls am Freitag wurde in Radebeul eine Radfahrerin bei einem Zusammenstoß mit einem KFZ in verletzt (gleicher Link). Nähere Angaben wurden nicht gemacht, aber es passierte wieder an einer Kreuzung.

Ich hoffe nächste Woche wird es wieder besser.


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Überholen von Radfahrern als Radfahrer

Ein schwieriges Unterfangen in Dresden, vorausgesetzt man möchte keine Ordnungswidrigkeit begehen.

Die allgemeine Zunahme des Radverkehrs in Dresden hebt ein Problem deutlich hervor: Die Radinfrastruktur ist nicht dafür ausgelegt, von mehreren Radfahrern zur gleichen Zeit genutzt zu werden. Das planerische Totalsversagen des Straßen- und Tiefbauamts zeigt sich sowohl an alten, als auch an neuen Radverkehrsanlagen, mit wenigen Ausnahmen.

Der durchschnittliche Radweg ist 1,5m breit, wenn überhaupt. Die durchschnittliche Lenkerbreite beträgt 50 bis 60cm. In der Theorie hat man dann 30 bis 50cm „Überholabstand“ zur Verfügung. Wenn man bedenkt, dass viele Radfahrer eher in Sinuskurven, als geradeaus fahren, ist das definitiv zu wenig.

Die StVO schreibt nach §5 Abs. 4 einen ausreichenden Sicherheitsabstand vor. Autofahrer müssen beim Überholen von Radfahrern innerorts einen Mindestabstand von 1,5m beim Überholen einhalten. Der Abstand, den Radfahrer beim Überholen von anderen Radfahrern einhalten müssen ist nicht genau definiert.

Auch Herr Braeske von der Dresdner Polizei konnte mir keinen konkreten Überholabstand nennen (Veröffentlichung des Zitats wurde genehmigt):

… die Frage ist berechtigt, da es keine eindeutige Kenngröße gibt. Auch Radfahrer müssen beim Überholen einen ausreichenden Sicherheitsabstand wahren, so wie es § 5 Abs. 4 StVO vorgibt. Dieser ist beim Kfz zum Radfahrer mit 1,5 Metern deklariert. Kritisch stellt sich der Überholvorgang beim gleichzeitigen Benutzen eines Radfahrstreifens (Rad-Rad) dar. Hier ist das Einhalten eines Sicherheitsabstandes faktisch nicht möglich.

 

Faktisch kommt das also einem Überholverbot für Radfahrer auf Radverkehrsanlagen gleich. Das Überholen ist lediglich auf Schutzstreifen oder mehr als 2m breiten Radfahrspuren ordnungsgemäß möglich. Im Endeffekt läuft es dann auf ordnungswidrige  Überholmanöver hinaus, wie Überholen auf dem Gehweg, rechts Überholen, verkehrsgefährdendes Überholen (zu geringer Abstand bzw. Bedrängen des Überholten) und ordnungswidriges Verlassen des Radwegs.

Immerhin scheint die Polizei die Sache etwas realistischer zu sehen, als die planende Verkehrsbehörde, die für den Pfusch verantwortlich ist. Letztere habe ich angeschrieben und gefragt, von welchem Überholsabstand sie bei Ihren Planungen ausgehen und wie ich andere Radfahrer auf einem 1,5m „breiten“ Radweg überholen soll.

 

Man Stelle sich mal vor, KFZ-Fahrer müssten hinter einem Traktor fahren und dürfen ihn nicht überholen. Es würde einen Aufschrei geben. Radfahrern ist soetwas scheinbar zuzumuten.