Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht

Überholen von Radfahrern als Radfahrer

8 Kommentare

Ein schwieriges Unterfangen in Dresden, vorausgesetzt man möchte keine Ordnungswidrigkeit begehen.

Die allgemeine Zunahme des Radverkehrs in Dresden hebt ein Problem deutlich hervor: Die Radinfrastruktur ist nicht dafür ausgelegt, von mehreren Radfahrern zur gleichen Zeit genutzt zu werden. Das planerische Totalsversagen des Straßen- und Tiefbauamts zeigt sich sowohl an alten, als auch an neuen Radverkehrsanlagen, mit wenigen Ausnahmen.

Der durchschnittliche Radweg ist 1,5m breit, wenn überhaupt. Die durchschnittliche Lenkerbreite beträgt 50 bis 60cm. In der Theorie hat man dann 30 bis 50cm „Überholabstand“ zur Verfügung. Wenn man bedenkt, dass viele Radfahrer eher in Sinuskurven, als geradeaus fahren, ist das definitiv zu wenig.

Die StVO schreibt nach §5 Abs. 4 einen ausreichenden Sicherheitsabstand vor. Autofahrer müssen beim Überholen von Radfahrern innerorts einen Mindestabstand von 1,5m beim Überholen einhalten. Der Abstand, den Radfahrer beim Überholen von anderen Radfahrern einhalten müssen ist nicht genau definiert.

Auch Herr Braeske von der Dresdner Polizei konnte mir keinen konkreten Überholabstand nennen (Veröffentlichung des Zitats wurde genehmigt):

… die Frage ist berechtigt, da es keine eindeutige Kenngröße gibt. Auch Radfahrer müssen beim Überholen einen ausreichenden Sicherheitsabstand wahren, so wie es § 5 Abs. 4 StVO vorgibt. Dieser ist beim Kfz zum Radfahrer mit 1,5 Metern deklariert. Kritisch stellt sich der Überholvorgang beim gleichzeitigen Benutzen eines Radfahrstreifens (Rad-Rad) dar. Hier ist das Einhalten eines Sicherheitsabstandes faktisch nicht möglich.

 

Faktisch kommt das also einem Überholverbot für Radfahrer auf Radverkehrsanlagen gleich. Das Überholen ist lediglich auf Schutzstreifen oder mehr als 2m breiten Radfahrspuren ordnungsgemäß möglich. Im Endeffekt läuft es dann auf ordnungswidrige  Überholmanöver hinaus, wie Überholen auf dem Gehweg, rechts Überholen, verkehrsgefährdendes Überholen (zu geringer Abstand bzw. Bedrängen des Überholten) und ordnungswidriges Verlassen des Radwegs.

Immerhin scheint die Polizei die Sache etwas realistischer zu sehen, als die planende Verkehrsbehörde, die für den Pfusch verantwortlich ist. Letztere habe ich angeschrieben und gefragt, von welchem Überholsabstand sie bei Ihren Planungen ausgehen und wie ich andere Radfahrer auf einem 1,5m „breiten“ Radweg überholen soll.

 

Man Stelle sich mal vor, KFZ-Fahrer müssten hinter einem Traktor fahren und dürfen ihn nicht überholen. Es würde einen Aufschrei geben. Radfahrern ist soetwas scheinbar zuzumuten.

 

 

 

 

 

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8 Kommentare zu “Überholen von Radfahrern als Radfahrer

  1. Die Sache fällt mir auch immer wieder auf. Besonders im Frühling und Sommer, wenn auch die Nicht-Allwetter-Radler auf das Rad steigen, freue ich mich erst einmal darüber, dass es Jahr für Jahr mehr werden und mal wirklich ein Dutzend oder so sich an einer Ampel treffen, wo sonst maximal 2-4 Radfahrer stehen. Und wenn die Ampel auf Grün schaltet, fällt mir dann jedes Mal auf, dass die Zunahme des Radverkehrs, ich will es eigentlich nicht so nennen, eine „Kehrseite“ hat. Kein Platz zum Überholen auf Radfahrstreifen. Entweder ich komme beim Überholen anderen Radfahrern zu nah oder ich überfahre die durchgezogene Linie, was nicht erlaubt ist. Dresdens Radwege wurden angelegt, um den Vorgaben auf dem Papier zu genügen. Sobald hier aber ein paar mehr Leute auf das Rad steigen, und damit meine ich gerade mal, zehn Radler treffen sich an einer Kreuzung, zeigt sich wie mangelhaft unser Radverkehrssystem tatsächlich ist.

    Interessanterweise gibt es hier und da mal breite Abschnitte wie bspw. an der St. Petersburger Richtung Hauptbahnhof kurz vorm Pirnaischer Platz. Da waren wohl ein paar Meter zu viel Platz vor der Kreuzung und der Radweg hat die bekommen. Nach 100m aber wieder der selbe schmale Weg mit Quasi-Überholverbot.

    Bei Schutzstreifen gestaltet sich das zum Glück einfach. Ich wechsele auf die Autospur daneben und nehme sie durch mittiges Fahren komplett ein. Wegen des dreisekündigen Überholvorgangs wird man aber gern mal angehupt, selbst wenn der Autofahrer auf die zweite vorhandene Spur wechseln könnte. Was fällt mir auch ein, auf die heilige Fahrbahn der Autofahrer zu wechseln… Leider sind Schutzstreifen noch schmaler als Radfahrstreifen und einige Radler meinen trotzdem, auf dem Streifen bleiben zu müssen und überholen mich eben noch knapper.

    Man muss sich wohl erstmal mit den vorhandenen Radfahrstreifen abfinden und hoffen oder sich dafür einsetzen, dass die Stadt es bei neuen Radfahrstreifen besser macht.

    • Oh ja, an Ampeln zeigt sich das ganze Ausmaß. Besonders wenn man als Radfahrer am Ende einer Kolonne steht und gewohnheitsmäßig schneller fährt, als die Vorderfahrer. Da steht man dann vor der Wahl hinterherzufahren, an Kreuzungen rechts zu überholen, links zu überholen, wobei man entweder den KFZ-Rasern in die Quere kommt oder zu wenig Abstand zum Überholten hält oder zu beten, dass der Vordermann gleich abbiegt.
      Die behindernden Radfahrer können ja auch nichts dafür und sollen durchaus in ihrer Geschwindigkeit fahren. Alle Teilnehmer sind hier Opfer der Verkehrsbehörden.

  2. Kannst du den Herrn Braeske auch mal fragen, „wie“ Kraftfahrtzeuge den vorgegebenen Abstand beim Überholen einhalten sollen? Faktisch bedeutet 1,5 Meter Abstand zum Radfahrer an vielen Stellen ein klares Überholverbot, so z.b. auf der St. Petersburger zwischen Hbf. und Georgplatz. 2-Spurig pro Richtung, massenhaft Platz (in der Häuserschlucht jedenfalls) und trotzdem ballern die LKWs mit 65 direkt am ‚Ende‘ der Radfahrstreifens entlang. Das Ende des Streifens, auf dem man eigentlich fährt, wenn man aus der Dooring-Zone raus will. Bin ich einfach zu empfindlich oder was? Bei 30km/h+ und Böen muss doch nicht jeder, der zu faul zu Spurwechsel ist, mein Leben gefährden…

    Diesen Überhol-Irrsinn merkt man ja auch bei jeder CM. Irgendein Taxifahrer muss immer noch unbedingt vor der Engstelle über die Sperrfläche sausen um dann an der nächsten roten Ampel vorne zu stehen. Eigentlich gilt regelmäßig mindestens noch „mit nicht wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende überholt“, „bei unklarer Verkehrslage“ und „nach dem Überholen beim Einordnen, denjenigen, der überholt wurde behindert.

    Zufällig habe ich heute ein Urteil gefunden: http://www.sz-online.de/nachrichten/im-blindflug-radler-getroffen-2410679.html

    Andere Frage an Herrn Braeske: Wurden in Dresden in den letzten 5 Jahren jemals ein Autofahrer für’s zu knappe Überholen eines Radfahrers zur Verantwortung gezogen? Auch wenn’s nur eine OWI ist … ich glaube nicht. Das wäre doch mal was für ihr Raddschlag-Programm!

    Naja, das war jetzt irgendwie ganz schön Off-Topic. Da ich selbst recht sensibel bin, was den Abstand angeht (merkt man vielleicht ;D) probiere ich eigentlich anderen Radfahrern beim Überholen mindestens so viel Platz zu lassen, wie ich gerne hätte. Denn irgendwie kann ich das an Autofahrern viel gehasste ‚Ich-muss-erster-sein-Gefühl‘ ja tatsächlich auch bei mir selbst auf dem Rad feststellen … um dann als erster an der nächsten roten Fahrradampel zu stehen ;-)

    „Alle Teilnehmer sind hier Opfer der Verkehrsbehörden.“ <= alle Unmotorisierten. Aber das meintest du bestimmt. Die Platzverteilung führt vor allem zu viel unnötigen Radfahrer/Fußgänger-Konflikten. Dabei ist der Gehwegradler halt nur ein Symptom. Wenn du als Stadt Gehwegradler hast, dann sind deine Radverkehrsanlagen bzw. das Verkehrskonzept für'n Arsch. So einfach ist das.

    • Der Schutzstreifen am beschriebenen Abschnitt der St. Petersburger gehört meiner Meinung nach abgeschafft. Ich fahre da quasi wegen den Autotüren auf der Linie. Leider tun das die Autofahrer auch. Ich warte eigentlich nur darauf, dass mir irgendwann ein Seitenspiegel vom Bus an den Hinterkopf knallt.

      Vom Mindestabstand zu den parkenden Autos her (viele sind ja schon zu blöd, ihr Auto so zu parken, dass sie nicht mehr auf dem Schutzstreifen stehen oder haben schlichtweg zu breite SUVs) müsste ich eigentlich am rechten Rand der rechten Spur fahren. Damit keiner ordnungswidrig überholt, müsste ich wiederum auf der rechten Spur mittig fahren. Das dann eintretende Hupen und Schneiden ist aber nicht sehr angenehm und im Stau steht man dort dann auch andauernd. Nur im Witer habe ich keine andere Wahl, wenn der Schnee auf dem Schutzstreifen liegt.

      Wieder so ein Radweg. Auf den ersten Blick: Cool, durchgängige Nord-Süd-Verbindung in Dresden für Radfahrer. Auf den zweiten Blick eine saugefährliche Stelle zum Autostreicheln. Ich entscheide mich für das Kuscheln mit dem fließenden Verkehr, der eine oder andere achtet auch auf den Überholabstand. Die meisten anderen Radfahrer kuscheln lieber mit den Autotüren der parkenden Autos rechts, was ich selbst für gefährlicher halte. Fakt ist, dass die baulichen Gegebenheiten dort jeden Radfahrer jedes Mal unweigerlich in Gefahr bringen.

    • Es sind wirklich alle Teilnehmer, die Opfer der Verkehrsbehörden sind. Die rechtsabbiegenden Autofahrer müssen aufgrund der Separation zusätzlich auf Fahrzeugverkehr rechts von sich achten, was bei normalem Mischverkehr, wo sich der Fahrzeugverkehr nach Fahrtrichtung ordnet, nicht der Fall wäre. Eine Zunahme der Komplexität an der Kreuzung, mit denen so mancher letztlich überfordert ist. Und wenn die Radfahrer dann noch auf den ach so sicheren RadWeg!/-streifen vertrauen, dann kommt es zu Unfällen.

  3. Hi, du kannst diesen Post im Anschluss auch gleich wieder löschen: Kannst du irgendwie eine E-Mail-Adresse o.ä. einrichten bzw. angeben, über die man dich erreichen kann (oder bin ich nur zu blind um eine angegebene Kontaktmöglichkeit zu finden)?

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