Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht

Schanze gebaut, Schanze versaut

4 Kommentare

Mittlerweile wurde die Sanierung der Pennricher Straße und der Rudolf-Renner-Straße, bis auf ein kleines Anschlusstück zur Kesselsdorfer Str. beendet. Man sollte meinen, dass die Dresdner Verkehrsplaner langsam wissen, wie man Radverkehrsanlagen plant und wie nicht. Dänemark und die Niederlande machen es seit Jahren vor. Und dennoch demonstrieren die Verantwortlichen ihr Versagen bei dieser Sanierung auf’s Neue.

Neben den schmalen obligatorischen Schutzstreifen im Dooringbereich der rechts daneben parkenden Kraftfahrzeuge, in denen man sich bei einem gerichtlich verordnetem Mindestabstand von 1,5m meist gar nicht bewegen kann, sind diesmal die Haltestellenbereiche der Schanze das größte Übel.

Widmen wir uns zunächst den Haltestellen auf der Rudolf-Renner Straße.

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Rudolf-Renner-Str. Einfahrt Haltestelle

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„Radweg“ mit gepflasterter Einfahrt und diversen Wartungszugängen.

Offensichtlich sind Haltestellenkaps gerade in Trend. Prinzipiell ist es ja eine gute Sache. Fahrgäste können barrierefrei die Bahn besteigen und man spart sich sinnlose Haltestellenampeln, da der Verkehr i.d.R. hinter der Straßenbhn warten muss.
Leider sind solche Konstrukte wenig fahrradfreundlich. In diesem Fall wird man als Radfahrer von der Fahrbahn auf einen gesonderten Radweg geführt, der zwischen Fahrbahn und Wartebereich entlang führt. Im Bereich der Einfahrt ist die Asphaltierung des Radwegs, weshalb auch immer, gepflastert und es befinden sich diverse Wartungszugänge mit herausragenden Kanten von 1 bis 2 cm auf diesem Weg. Das größte Problem ist, dass solche Wege eine magische Anziehung auf träumende sowie blinde Fußgänger und wie auch immer geartete Geisterradler ausüben. Dass alle Radfahrer beim Halten einer Bahn ihr Rad stoppen, um den Fahrgästen ordnungsgemäß Vorrang zu gewähren, darf ebenfalls bezweifelt werden.

Erstaunlicherweise ist dieser Radweg nicht benutzungspflichtig. Man darf also auch die (trotz Schienenkreuzung in meinen Augen) sichere Variante wählen und die Fahrbahn nutzen. Die nervösen Finger an der Hupe unserer motorisierten Freunde müssen wir dann wahrscheinlich abkönnen. ;)

Das Beste an der Verkehrsführung ist das Ende:

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Ende vom Kap, Beginn der Kreuzung und „Linksabbieger so einordnen“

Das Schild sollte man nicht allzu ernst nehmen. Es hat lediglich empfehlenden Charakter. Auch als Radfahrer darf man direkt links abbiegen, trotz des Umstandes, dass alles daran gesetzt wird, das zu verhindern. Auch deshalb empfiehlt es sich an der Haltestelle die Fahrbahn zu nutzen, wenn man links abbiegen möchte.

Die Haltestelle der Gegenrichtung wurde gleich gebaut. So richtig einig mit den Haltestellen waren sie sich auf der Rudolf-Renner-Straße nicht, denn am Conertplatz hat man auf die separaten Radwege verzichtet und den Gehweg freigegeben.

Soviel zur Rudolf-Renner-Straße. Die größeren Knüller gibt es auf der Pennricher Straße.

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Pennricher Straße

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Nochmal Pennricher Straße

Hier muss man sich ernsthaft fragen, ob ein Praktikant der Verkehrsbehörde ran durfte. Das komplette Schild ist vollkommen überflüssig. Zunächst gibt es überhaupt keinen Seitenstreifen. Diese sind durch durchgängige Markierungen gekennzeichnet. Hier gibt es nur einen Schutzstreifen. Das eingeschränkte Halteverbot wir schon durch den Streifen an sich geboten.

Zeichen 340: Wer ein Fahrzeug führt, darf auf durch Leitlinien markierten Schutzstreifen für den Radverkehr nicht parken.

Sinn würde hier nur ein absolutes Halteverbot machen. Das ist nicht nur peinlich, sondern mit dem Geld hätte man eher ein paar mehr der spärlich installierten Radbügel aufstellen sollen.

 

Nun kommen wir zu den Haltestellen:

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Haltestelle und die RWBP

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In der Gegenrichtung der gleiche Mist.

Wieder begegnen und die Haltestellenkaps. Diesmal aber ohne gesonderte Wege für den Radverkehr, sondern mit einem GAU. Wer im Jahr 2014 noch gemeinsame Geh- und Radwege plant und auch baut, sollte bestraft werden.

Genau im Haltestellenbereich, also dort, wo die meisten Personen ohne auf ihre Umgebung zu achten blind umher laufen, muss man sich mit diesen einen gepflasterten engen Weg teilen, statt einfach hinter der Straßenbahn zu warten, wie der motorisierte Verkehr. Da das wesentlich gefährlicher ist, als zweimal eine Schiene zu kreuzen, ist die Benutzungspflicht wieder einmal rechtswidrig angeordnet.

Wer’s nicht im Kopf hat…
Der Widerspruch geht demnächst raus. :)

Ach ja, der Radverkehr wird irgendwann wieder auf die Fahrbahn geführt. Dort sah es bei meinem Besuch so aus:

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Ein Verirrter.

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Da geht’s (theoretisch) wieder auf die Fahrbahn.

 

 

 

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4 Kommentare zu “Schanze gebaut, Schanze versaut

  1. Wollte schon bei den ersten beiden Bildern fragen, aber weiter unten steht es dann. Der Schutzstreifen geht in eine Art Radweg über, der aber nicht ausgeschildert ist. Sieht für mich sogar so aus, als ob das „geliebte“ blaue Schild vergessen wurde. Ist da überhaupt der Gehweg für Radfahrer freigegeben oder wird man mit Auffahrt und Fahrradsymbol direkt in die Ordnungswidrigkeit gelenkt?

    Danke für den Hinweis mit dem Linksabbiegerschild für Radfahrer. Ich habe mir noch nie großartig Gedanken darüber gemacht, aber das mit dem Empfehlungscharakter wusste ich auch nicht. Man lernt nie aus. :)

    Und Klarheit über das Schild mit dem Seitenstreifen herrscht jetzt auch bei mir. Manchmal mache ich mir ja schon Sorgen um meine Denkfähigkeit, wenn ich an solchen absurden Stellen vorbeikomme. Hier bin also nicht ich bekloppt, sondern die Planer. Aber so schlecht finde ich das ja prinzipiell nicht zusätzlichen Schildern. In Hamburg gibt es mittlerweile Schilder mit dem Hinweis, dass Radfahrer auch auf der Fahrbahn fahren dürfen. Warum nicht auch Park- und Halteverbotsschilder für Radwege und Schutzstreifen? Statt „auf dem Seitenstreifen“ sowas wie „und zwar ausnahmslos immer und auch ohne dieses Schild an solchen Stellen, verdammt nochmal!!11“. Oder so ähnlich. :D Ist zwar sinnlos, aber vielleicht klappt ja so die StVO-Nachhilfe. Zur Zeit ist wohl aber die Reaktion der Autofahrer: „Oh, aber da hinten ist so ein Seitenstreifen, auf dem ich parken darf!“

    Und die gemeinsamen Geh- und Radwege…ohne Worte. Dass das heute noch jemand anordnen darf. :( Kann man die Begründungen für solche Radverkehrsführungen irgendwo einsehen? Werden sie hoffentlich versuchen, dir in der Antwort zu erklären.

  2. Ich befürchte auch, dass noch Schilder folgen, die den „Radweg“ an den Haltestellen benutzungspflichtig machen. Momentan laufen die unter „andere Radwege“. Man darf also schon drauf fahren, muss aber nicht.

    Die „Empfehlung“ war etwas ironisch gemeint. Natürlich würde die Verkehrsbehörde gern alle Radfahrer dazu zwingen indirekt links abzubiegen, aber das darf sie nicht. Leider wird es einem als Radfahrer bei stark befahrenen Straßen oft schwer bis unmöglich gemacht sich im fließenden Verkehr in eine Linksabbiegerspur einzuordnen. Dann hat man kaum eine Wahl.

    Ein Parkverbot (und in meinen Augen auch ein Halteverbot) ergibt sich schon durch die Funktion von Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Wenn darauf geparkt oder gehalten wird, verlieren sie ihre Funktion. Das sollte jedem motorisiertem Verkehrsteilnehmer, der logisch denken kann, klar sein. Das Parken und Halten geschieht also vorsätzlich und böswillig. Leider ist das Halten auf Schutzstreifen auch noch erlaubt.

    Ich bin gerade am umherfragen, wo man die Bgeründungen für Benutzungspflichten erfragen kann, wenn es überhaupt welche gibt. Ich bezweifle aber, dass man mir freiwillig Auskunft gibt. In anderen Bundesländern gibt es Informationsfreiheitsgesetze, da müssen die Behörden Auskunft geben. Die CDU hat das in Sachsen bisher erfolgreich verhindert.
    In diesem Fall werde ich die Begründung aber spätestens mit dem Antwortschreiben auf meinen Widerspruch erhalten.

  3. Allen, die in den hier genannten oder ähnlichen Fällen Widerspruch einlegen wollen sei die Lektüre des Urteils des Verwaltungsgerichts Berlin vom September diesen Jahres empfohlen (VG 11 K 198.14, unter http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/vg/presse/archiv/20141029.1425.399878.html gibt es eine Kurzzusammenfassung und ganz unten einen Link zum Volltext des Urteils; unter http://hamburgize.blogspot.de/2014/10/berlin-radwegbenutzungspflicht.html gibt’s noch ein paar Fotos zur dortigen Situation). In Berlin ging es auch um einen Schutzstreifen, der an einer Haltestelle in einen benutzungspflichtigen Radweg übergeht. Natürlich sind Situationen nie genau vergleichbar (u.a. fahren dort pro Tag 7.000 Radfahrer), das Urteil enthält aber viele Argumente, die auch auf die im obigen Beitrag gezeigte Situation anwendbar sind (vor allem: Straßenbahnschienen allein stellen keine besondere Gefahrenlage dar). Und mit dem Urteil an sich zu argumentieren kann bei einem entsprechenden Widerspruch auch nicht schaden. Ich weiß allerdings nicht, ob das Urteil bereits rechtskräftig ist oder in die nächste Runde geht.

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