Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht

Baustellen der Woche (oder des Monats, Jahres …)

8 Kommentare

Auf meinen täglichen Wegen begegnen mir immer mal wieder interessante Baustellen. Besonders was die Führung des Radverkehrs und dessen Beschilderung angeht, muss man an einigen Baustellen doch etwas länger überlegen, was gemeint ist bzw. was man sich dort (nicht) gedacht hat.

 

Nummer eins befindet sich auf der Löbtauer Straße:

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Baustelle Löbtauer Straße

In der Praxis völlig unproblematisch. Entweder man fährt rechts auf dem verbliebenem Stück Radfahrstreifen vorbei oder man fährt links vorbei, wie (vermutlich) vorgesehen.
In der Theorie ist die Baustellenbeschilderung ein wahrscheinlich rechtswidriges Gebilde.

Den Radfahrstreifen gibt es, weil laut Verkehrsbehörde das Radfahren auf der Fahrbahn ohne Radfahrmarkierungen zu gefährlich sei. Nun wurde die Benutzungspflicht an der vorherigen Kreuzung aufgehoben, was aus dem Radfahrstreifen einen Seitenstreifen macht. Ab dort nutzen also Radfahrer regulär die Fahrbahn, es gibt keinen Sonderweg. Das heißt also, dass die Gefährdung der Radfahrer auf der Fahrbahn plötzlich nicht mehr vorhanden ist. Und das obwohl sich Radfahrer auf knappen 15 Metern nach links in den fließenden Verkehr einordnen müssen.

Damit entfällt die Grundlage für die Benutzungspflicht der kompletten Radfahrstreifen in beiden Richtungen. Baustellen machen’s möglich. Aber das kennen wir ja von der Antonstraße.

 

Interessanter finde ich die Baustelle auf der Freiberger Straße:

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Baustelle Freiberger Str. (am Schwimmbad)

Dieg0 fragte mich gestern, ob ich was mit der Beschilderung (Radweg Ende) zu tun hätte. Nein, habe ich nicht. ;)

Das Schild steht aber schon ein paar Tage länger. Jetzt fragt man sich natürlich, warum das Schild aufgestellt wurde, obwohl der Radfahrstreifen problemlos befahren werden kann. Ich habe eine Weile gegrübelt und habe nur eine Erklärung dafür. Durch die Baustelle kann man den Gehweg nicht nutzen. Ersatzweise wird dieser über die Parkbuchten geführt. Nun können dort natürlich keine Autos mehr parken. Was macht man? Man hebt die Benutzungspflicht des Radfahrstreifens auf. Damit ist das nur noch ein Seitenstreifen und nun dürfen Autos drauf parken!

Ein sehr cleverer Schachzug, auch wenn ich bisher keinen Autofahrer gesehen habe, der die Möglichkeit erkannt (!) und genutzt hat. Wenn jemand eine andere Erklärung hat, bitte melden!

 

Nachtrag vom 17.01.15

Stefan Lüders wies mich darauf hin, dass meine Annahme nicht ganz korrekt ist. Seinem Hinweis folgend entdeckte ich an besagter Stelle tatsächlich Halteverbotsschilder, die sich auf den Seitenstreifen beziehen. Die habe ich vorher wohl übersehen©.

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Damit hat diego scheinbar Recht und das STA hat erstaunlicherweise im Sinne der Radfahrer ausgeschildert. Ich danke Stefan Lüders für den Hinweis und entschuldige mich beim STA für meine „implizierte Radlerfeindlichkeit“.

 

 

An und auf der Flügelwegbrücke gibt’s zur Zeit zwar keine Baustelle, aber die Beschilderung ist auch hier bemerkenswert. Von M_Net erreichten mich die folgenden Bilder:

Flügelweg - 1

Flügelweg / Foto von M_Net

Flügelwegbrücke - Foto von M_Net

Flügelwegbrücke / Foto von M_Net

Flügelwegbrücke / Foto von M_Net

Flügelwegbrücke / Foto von M_Net

Die Beschilderung (beim dritten Bild das mittlere) ist um 180° verdreht. Und das mindestens seit dem Sommer. Bisher fiel das offensichtlich keinem Vertreter der Stadt auf, wobei ich mich frage, wie so etwas passieren kann. Man sollte meinen, dass die Beschilderung so angebracht ist, dass man sie nicht manipulieren kann.

 

Das Beste kommt zum Schluss (auch ein Hinweis von M_Net):

Fritz-Foerster-Platz

Fritz-Foerster-Platz – Haltestellenhäuschen auf dem Radweg – Foto von M_Net

Der Fritz-Förster-Platz ist ja bekanntermaßen ein planerischer Totalausfall für Radfahrer, aber dass auch hier ein Wartehäuschen auf dem Radweg steht, ist mir bisher entgangen. Das ist eine Stelle, an der alles, was einem Radfahrer Schlechtes widerfahren kann, zusammenkommt: Hochbordradweg, Zweirichtungsradweg, Haltestelle, Pflaster, sichtbehindernde Hindernisse und Studenten ( ;) ).

 

Vielleicht finde ich neben den „weihnachtlichen Verpflichtungen“ etwas Zeit, um das STA mit ein paar Zeilen zu erfreuen. :)

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8 Kommentare zu “Baustellen der Woche (oder des Monats, Jahres …)

  1. Der Fritz-Foerster-Platz ist DER Klassiker schlechthin. :D Jeden Morgen versuchen sich Radfahrer den Weg freizubimmeln oder kommen im Mordstempo von oben runter. Da muss ich mich auch mal für die Fußgänger einsetzen. Übrigens muss man als Fußgänger an allen 8 Straßenseiten der Kreuzung irgendwann den jeweiligen Radweg kreuzen. Ein Paradebeispiel dafür, warum Hochbordradwege der größte Unfug sind.

    Zu dem Foto noch: kurz dahinter ist der rote Abschnitt dann links und der Fußweg rechts. Da ist also eine dieser besagten Stellen der kreuzenden Wege. Und auf eher den dahinter liegenden Abschnitt bezieht sich wohl das Schild.

    Mein Erklärungsversuch für die Freiberger Straße, der der Stadt Fahrradfreundlichkeit unterstellen würde und wohl nicht zutrifft: Die Schilder der Baustelle ragen einige Dezimeter in den Radweg hinein, wodurch dieser nicht mehr die nötige Mindestbreite besitzt. Die Anordnung der RWBP wäre rechtswidrig und man hebt die Benutzungspflicht einfach auf.

    Ergibt sich an der Freiberger nicht das selbe Problem wie an der Löbtauer, dass die Straße plötzlich sicher ist für Radfahrer und die allgemeine RWBP eigentlich unzulässig? Was sollte man denn korrekterweise tun, wenn eine Baustelle wirklich den Platz braucht? Eine Ersatzspur für Radfahrer einrichten? Und wenn wie an der Freiberger dafür kein Platz ist bzw. kein Auto mehr durchkommen würde? Was dann?

    • Das Wartehäuschen wurde sicher erst nach der Beschilderung aufgestellt. Entweder wird das Aufstellen der Häuschen verkehrsrechtlich überhaupt nicht geprüft oder der Bearbeiter hat mal wieder gepennt. So ist der Radweg unbenutzbar und theoretisch kann man zwischen einem abgesenkten Bordstein vor dem Häuschen und hinter dem Häuschen die Fahrbahn benutzen. :)

      Du hast Recht, auf der Freiberger tritt dasselbe Problem auf, wie auf der Löbtauer. So wie ich das sehe, muss entweder der Radfahrstreifen (oder zumindest ein Schutzstreifen) um die Baustelle herum geführt werden. Wenn das aus Platzmangel o.ä. nicht möglich ist, dann muss man auf dem betreffenden Abschnitt Tempo 30 anordnen und erst dann, wäre es möglich temporär die RWBP aufzuheben, ohne ihre Pseudogefährdungsgrundlage für 30m wegzuzaubern.

      • Am Fritz-Förster-Platz dürfte irgendwann mal ein anderes Schild gestanden haben, vermutlich ein spiegelverkehrtes zum Jetzigen. Einfach rumgedreht wurde es aber nicht, das ergäbe an der Stelle dann immer noch keinen Sinn.

        Das Problem an der Stelle wäre nie entstanden, wenn man von vornherein keine Busbucht angelegt hätte, sondern die Busse auf der Fahrbahn halten ließe (wie das in anderen Städten auch praktiziert wird). Damit wäre dahinter 3 m mehr Platz, was zwar angesichts der Fußgängerströme dort immer noch zu wenig, aber immerhin eine Verbesserung wäre. Aber dann müssten die Autofahrer um den Bus herumfahren, und das geht natürlich gar nicht…

        Man darf das der Stadt aber auch nicht vorwerfen, wer rechnet schon in der Nähe einer Universität, noch dazu direkt neben dem Hörsaalzentrum, mit Studenten? Noch dazu mit so vielen auf einmal?! Also wirklich, das konnte beim Bau der Bergstraße Anfang des Jahrtausend nun wirklich niemand wissen…

  2. Stimmt, Tempo 30. Könnten die an der Freiberger problemlos machen. Schild hingestellt, hält sich eh keiner daran, wird nicht kontrolliert und das Problem wäre „gelöst“. Ausbremsen auf der breiten Löbtauer ist wahrscheinlich problematischer (aus Sicht der Autofahrerfraktion).

  3. Soweit ich weiß, gilt der Grundsatz „Radweg nur bei besonderer Gefährdung“ nur für Hochbord-Radwege. Für Schutz- und Radfahrstreifen gibt es da eine Ausnahme (und das ist IMHO auch gut so, denn so kann man sehr komfortabel an den Autos vorbeifahren, falls es sich mal wieder irgendwo staut).

    • Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe.
      Die Voraussetzung für alle Benutzungspflichten, egal ob gemeinsamer/getrennter Geh- und Radweg oder Radfahrstreifen ist die Gefährdung der Radfahrer auf der Fahrbahn gleichberechtigt zum KFZ-Verkehr (§ 45 Abs. 9 StVO).
      Schutzstreifen werden davon nicht berührt, das ist richtig. Es gibt auch Seitenstreifen ohne Radwegbenutzungspflicht. Die muss man nicht, aber darf man als Radfahrer nutzen. Die dürfen dann aber auch zum Parken genutzt werden.

      • Ich denke, du hast mich richtig verstanden ;-)

        Aber ich sehe gerade, dass sich die erwähnte Ausnahme (hinsichtlich der Beschränkung des fließenden Verkehrs – StVO § 45 abs 9) nicht auf Radfahrstreifen bezieht, sondern nur auf Schutzstreifen, Fahrradstraßen, und Zonen-Geschwindigkeitsbeschränkungen. Ich hatte das wohl falsch gelesen :-(

        Aber ich würde der Stadt in dieser Hinsicht keinen Vorwurf machen, denn eine wirklich gute Lösung sieht die StVO dafür nicht vor. Das Beste wären wohl noch Schutzstreifen mit Halteverbot. Aber da gibt’s dann wieder die non-vehicular-cycler, die nicht damit leben können, dass da auch Autos fahren dürfen.

  4. Stefan Lüders wies mich darauf hin, dass meine Annahme nicht ganz korrekt ist. Seinem Hinweis folgend entdeckte ich an besagter Stelle tatsächlich Halteverbotsschilder, die sich auf den Seitenstreifen beziehen. Die habe ich vorher wohl übersehen©. (Bilder im Artikel)
    Damit hat diego scheinbar Recht und das STA hat erstaunlicherweise im Sinne der Radfahrer ausgeschildert. Ich danke Stefan Lüders für den Hinweis und entschuldige mich beim STA für meine “implizierte Radlerfeindlichkeit”.

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