Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht

RWBP Käthe-Kollwitz-Ufer – Antwort vom STA

4 Kommentare

Mittlerweile hat das STA auf meine Bitte zur Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht auf dem Käthe-Kollwitz-Ufer (stadteinwärts) reagiert.

Zunächst erst einmal das Schreiben:

Seite 1

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Seite 2

Seite 2

Seite 3

Seite 3

 

In meinem Antrag hatte ich ausschließlich die Verstöße gegen die baulichen Mindestvoraussetzungen aus der VwV-StVO moniert.

Im ersten Abschnitt wird über die Grundvoraussetzungen für Radwegbenutzungspflichten geschrieben und es wird am Ende von einer Verfahrensweise gesprochen („Grundsätzlich ist diese Verfahrensweise …“). Ob diese Verfahrensweise mit dem Längsverkehr grundsätzlich Anwendung findet oder nur im Fall von Fahrbahnen ohne Querungen geht nicht eindeutig hervor. Im Zuge meiner Erfahrungen mit dem STA bin ich von einer generellen Verfahrensweise ausgegangen.

Im ersten Abschnitt bezieht man sich auf eine Studie des ADFC Sachsen zur Radverkehrssicherheit von 2005. Die Studie findet man hier.

 

Nachtrag (Text wurde geändert):

Richtig heißt es im Text, dass Überholunfälle zwischen Rad- und Autofahrern eine geringe Rolle im Unfallgeschehen spielen. Man findet das auf Seite 18 der Studie. Anschließend wird der Abschnitt erwähnt, dass derartige Unfälle im Längsverkehr überdurchschnittlich hohe Verletzungsfolgen nach sich ziehen. Demnach müssen diese Unfallgefahren mit geeigneten Mitteln (Trennung der Verkehrsarten, RWBP) minimiert werden.

Jetzt stellt sich wieder die Frage, ob die Maßstäbe des STA für den Längsverkehr generell gelten oder nur bei Fahrbahnverläufen ohne Querungen. Im zweiten Fall (selektive Anwendung) hat das STA recht und eine Trennung wäre rein rechtlich zulässig. Die Trennung des Radverkehrs vom KFZ-Verkehr ist im Fall des Käthe-Kollwitz-Ufers (stadteinwärts) also nachvollziehbar und berechtigt. Dies habe ich auch nie bezweifelt, auch wenn ich trotzdem lieber auf der Fahrbahn fahre (flüssiges Abbiegen vom Radweg nach links ist nicht möglich).

Bei einer generellen Anwendung diese Verfahrens, sprich auch bei einem Fahrbahnverlauf mit entsprechenden Straßenquerungen, liegt das STA falsch. Die folgende Schilderung geht von der generellen Anwendung aus.

Jetzt werfen wir nochmal einen Blick auf Seite 18 der Studie und sehen uns Abbildung 13 an:

Insgesamt gab es ca. 1400 Unfälle im Längsverkehr, davon endeten 27 tödlich und ca. 460 mit Schwerverletzten. Im Gegensatz dazu gab es bei den Einbiegen/Kreuzen-Unfällen und Abbiegeunfällen, die genau deswegen entstehen, weil sich Radfahrer eben nicht auf der Fahrbahn bewegen, insgesamt ca. 5680 Unfälle mit 47 Toten und ca. 1400 Schwerverletzten.

Beim STA sind folglich geeignete Mittel, um Unfallgefahren zu minimieren Maßnahmen, die die Unfallgefahr verdreifachen und die Gefahr zu sterben um 74% (!) erhöhen.

 

Weiterhin werden die bisherigen Klagen gegen Radwegbenutzungspflichten in Dresden erwähnt. Was das zur Sache tut kann ich nicht nachvollziehen, aber vielleicht hat man sich gedacht, dass etwas Säbelrasseln den ein oder anderen von Widersprüchen und Anträgen abhalten wird.

Der Beste Abschnitt kommt danach:

Die Breite des Weges beträgt durchgehend 2,50m.

Nur zu Erinnerung, es geht um diesen Weg. Man sieht mit bloßem Auge, dass der Weg, bis auf wenige Teilstücke,  keine Breite von 2,50m erreicht, von „durchgehend“ ganz zu schweigen. Die Behauptung ist also schlicht und ergreifend gelogen.

Die Erwähnung des bereits eingegangenen Widerspruchs im LASuV finde ich interessant. Falls jemand nähere Infos hat bitte melden.

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4 Kommentare zu “RWBP Käthe-Kollwitz-Ufer – Antwort vom STA

  1. „Völliger Blödsinn“. Sorry, aber genau das ist auch an einer Stelle in diesem Artikel der Fall.

    Wie kannst Du mit Einbiege-/Kreuzungs-Unfällen argumentieren, wenn Du die Radwegbenutzungspflicht auf einem Weg abschaffen willst, der gerade keinerlei Einbiegungen oder Kreuzungen von PKW hat?

    Der Weg ist als Radweg aufgrund seiner Oberfläche unbenutzbar, keine Frage, aber Dein Argument ist genau auf diese Richtung völliger Blödsinn. Ich dachte an der Stelle erst, es geht um die andere Richtung, wo ich das Argument voll verstanden hätte, 100 Ausfahrten, x Kreuzungen, ständiges rauf und runter.

    Wäre dieser Radweg asphaltiert und hätte diesselbe Breite wie der Elbradweg an selber Stelle, es wäre der perfekte Weg, denn da ist mir noch niemalsnie ein Fußgänger begegnet.

    • Hallo Sven,

      sofern sich das STA ausschließlich auf den entsprechenden Radweg bezieht, dann hast du Recht, dann ist das Blödsinn.
      In meinem Antrag hatte ich ausschließlich mit den Verstößen gegen VwV-StVO argumentiert. Der gesamte Punkt 1 im Schreiben wird als Verfahrensweise des STA bezeichnet („Grundsätzlich ist diese Verfahrensweise mehrmals gerichtlich behandelt worden …“), weshalb ich davon ausgegangen bin, dass diese Verfahrensweise bei allen Straßen Anwendung findet und sich nicht nur auf diesen Fall bezieht.

      Ich formuliere das nochmal etwas um.

  2. Ich finde, der Radweg ist sehr gefährlich und eigentlich unzumutbar. Er ist viel zu schmal, bei Nässe glatt und die Kanten am Kopfsteinpflaster sind kreuzgefährlich. Mich hat es dort schon einmal hingelegt. Ich finde die Benutzungspflicht überflüssig. Die Straße ist deshalb so gefährlich, weil gerast und viel zu schnell gefahren wird. Leider unternimmt die Polizei und die Stadt absolut nichts dagegen. Und das ist das eigentliche Übel. Auch auf dem Käthe-Kollwitz-Ufer sollte Tempo 30 eingeführt werden, und es muss richtig ordentlich geblitzt werden. Leider wird Rasen und Drängeln viel zu oft toleriert. Ich finde Dein Artikel klasse!!

  3. Hm… wenn es doch ach so tolle Alternativen gibt (Elberadweg ohne Zufahrt zur WSB und bei gutem Wetter so überfahren, dass selbst Frau Ludwig sagt, dass sie da nicht fährt; Goetheallee/Pfotenhauer mit mehrfach Rechts vor Links und mit parkenden Autos mitunter auch recht unübersichtlich, und schließlich die Wahl zwischen Pflaster oder Straßenbahnschienen), dann kann sich doch eigentlich kaum noch ein Radfahrer freiwillig aufs Kollwitz-Ufer trauen. Warum braucht’s dann also überhaupt noch eine Benutzungspflicht für die paar Radfahrer…?
    Danke, dass Du die Ausführungen des Amts noch mal zerlegt hast. Demontieren die sich mit der Längsverkehrthese nicht die Benutzungspflicht in der Gegenrichtung? Wie Du recherchiert hast, sind die Einmündungen ja extrem gefährlich, der Längsverkehr geht dann vergleichsweise schon wieder. Und die Oberflächenqualität ist ja eh egal, also kann man auch nicht argumentieren, dass elbaufwärts ja meistens Asphalt ist.

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