Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht

Dresden versagt weiterhin beim Thema Radverkehr Teil 1

7 Kommentare

Seit 19. Februar sind die Ergebnisse des ADFC Klimatests 2014 öffentlich. Anhand der Karte kann man sich das Ergebnis von Dresden ansehen. Mit Platz 20 und einem Ergebnis (Schulnote) von 3,92 (Vorjahr Platz 21 mit Schulnote 3,96) hat sich im Vergleich zu 2012 nichts verändert. Das Radverkehrsbedingungen in Dresden sind weiter miserabel.

Folgend beleuchte ich einige Punkte etwas genauer. Bei uns …

…werden Radfahrer/innen als Verkehrsteilnehmer akzeptiert. (Note 3,9) 

In Dresden hasst jeder Radfahrer. KFZ-Lenker beschweren sich über Radfahrer auf „ihrer“ Fahrbahn und machen das nicht selten durch zu enge Überholmanöver deutlich (Minimum 1,5m – wenn ein Kind transportiert sind 2m!), die teilweise schon einer Straftat (Verkehrsgefährdung) gleich kommen. Vielfach wird sich über Übertretungen der StVO durch Radfahrer beschwert. Dass die eigene KFZ-Sippschaft permanent die StVO verletzt interessiert dabei wenig (Regelgeschwindigkeit 60 – 70km/h innerorts, Tempo 50 in 30er-Zonen, noch schnell über die rote Ampel huschen, Parken auf Gehwegen und Radverkehrsanlagen, zu enges und gefährdendes Überholen …)

Fußgänger hassen ebenfalls Radfahrer. Das sogar zu Recht. Gehwege sind Schutzräume für Fußgänger. Radfahrer haben nichts darauf zu suchen. Leider zwingt die Dresdner Verkehrsbehörde immer wieder Radfahrer auf Gehwege und verursacht damit ein hohes Konfliktpotential zwischen Radfahrern und Fußgängern. Aber auch unsichere Radfahrer und Radfahrlaien flüchten sich immer wieder in diesen vermeintlich sicheren Verkehrsraum, um sich dann daneben zu benehmen. Dass sich beide Parteien untereinander selten arrangieren und Fehlverhalten an der Tagesordnung liegt (Geisterradeln, Gehwegradeln, Gehen und Stehen auf Radwegen, Verschmutzen von Radwegen mit Glasbruch) verbessert die Situation nicht.

Letztendlich hassen Radfahrer auch andere Radfahrer. Zumindest ist das bei mir so. Jeden morgen kommen mir diese planlosen Geisterfahrer entgegen, nicht den geringsten Gedanken daran verschwendend, dass sie mit ihrem wenig sozialen Verhalten andere behindern und gefährden. Es wird mitten in der Nacht ohne Licht gefahren, es wird an roten Ampeln überholt, nur um dann zehn Sekunden später mit dem klappernden Müllrad im Weg zu radeln. Und man kann nicht überholen, weil der „Radweg“ zu schmal ist. Wenn man die „Gegenseite“ freundlich auf das Fehlverhalten anspricht kommen Bemerkungen und Beleidigungen von „ich weiß“ bis hin zu „Wenn du mir auf’s Schwein geht, geh ich dir auf’s Schwein!“

Das ist kein Dresdner Problem, sondern gilt in ganz Deutschland. Schuld sind die Verkehrsbehörden und Verkehrsplaner, die einfach noch nicht bereit sind, das Unvermeidliche umzusetzen. Weniger Raum für den MIV und mehr eigener Raum für den Radverkehr.

…wird viel für das Radfahren geworben. (Note 4,5).

Was das Alltagsradeln angeht ist das richtig. Ich hab bisher noch nichts von Seiten der Stadt gesehen, was jemanden dazu bewegen würde im Alltag auf’s Rad zu steigen.

Im Winter wird sogar Antiwerbung für das Radfahren gemacht. In einer Anfrage, ob die Radwege diesen Winter geräumt werden, empfiehlt die Oberbürgermeisterin bei „winterlichen Verhältnissen“ auf den ÖPNV umzusteigen. Genauer wird das nicht definiert, aber meiner Einschätzung nach haben wir in Deutschland zwei bis drei Monate lang „winterliche Verhältnisse“. Sobald Schnee liegt, tun das auch viel Radfahrer, dass der ÖPNV dann i.d.R. keine zuverlässiges Transportmittel und zudem hoffnungslos überfüllt ist scheint nicht zu interessieren. Man rät also lieber vom Radfahren ab. Zum Winterdienst später mehr.

Werbung für die Stadt, mit der die Stadt nichts zu tun hat, aber in der sie sich trotz schlechter Bedingungen gerne sonnt, ist das Stadtradeln. Hier belegt Dresden regelmäßig die vorderen Plätze, was aber sicher nicht an den tollen Radverkehrsbedingungen liegt. Das Statement zum Goldgewinn in der Kategorie Fahrradaktivste Kommune mit den meisten Radkilometern ist interessant – es gibt keins.

Weitere Veranstaltungen zur Werbung sind das Fahrradfest der Sächsischen Zeitung und das ŠKODA Velorace. Hier muss man der Stadt zugute halten, dass für die Veranstaltungen Straßen gesperrt und Polizei abgestellt wird. Werbung für das Alltagsradeln ist das allerdings nicht.

… wird in der Zeitung meist positiv über Radfahrer/innen berichtet. (Note 4,2)

Oh ja die Zeitungen. Über Pressemeldungen und Presseartikel, die Radfahrer zum Gegenstand haben könnte man ganze Romane schreiben. Die Kollegen vom Presserad werden mir da sicherlich zustimmen. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber gerade beim Thema Radverkehr bwz. Unfälle mit Radbeteiligung ist das Versagen der Presse oft beispiellos. Da es beim Presserad genug Beispiele gibt beschränke ich meine Einschätzung auf die SZ und DNN.

Einige Beispiele aus der letzten Zeit: Radfahrer stirbt nach Zusammenstoß mit Betonmischer. Besonders gehaltvoll ist die Meldung nicht. Relevante Angaben fehlen (Abbiegen nach links oder rechts, Beachtung der LSA, Zeugen, Ursachenforschung, …). Man hat den Eindruck, dass gern mal schnell eine polizeiliche Pressemeldung abgetippt wird. Immerhin hat sich der Radfahrer nichts selbst verletzt

Radfahrer überfällt 82-jährige. Tolle Meldung. Wäre der Dieb bzw. Räuber mit einem Auto geflohen, hätte es dann geheißen „Autofahrer überfällt 82-jährige.“? Oder bei einem Fußgänger „Fußgänger überfällt 82-jährige.“?

Ein weiterer Artikel, der nicht online verfügbar ist, nennt sich:

Sicherer Radweg am Nürnberger Ei – Radfahrer gefährden Fußgänger, weil sie bei Rot nicht anhalten. Eine weiße Linie soll nun für mehr Sicherheit sorgen.

Ich kann den Artikel nicht lesen, aber allein in diesen wenigen Zeilen präsentiert der Autor sein komplettes Unwissen über den Radverkehr. Diese sogenannten „Radwege“ am Nürnberger Ei erfüllen nicht die Mindestbreite von 1,50m, die Oberfläche ist von Ausbrüchen und Grasbüscheln durchzogen, sie führen genau durch den Wartebereich der Fußgängerampel, die abgesenkten Bordsteine erreichen nicht einmal näherungsweise Nullniveau und auf dem Radweg Richtung Löbtau steht ein dicker fetter Mast. Die Benutzungspflicht wurde dort illegal angeordnet.

Wartende Fußgänger stehen grundsätzlich ordnungswidrig auf dem Radweg. Die ganze von der Dresdner Verkehrsplanung und dem STA fabrizierte Situation provoziert beide Verkehrsgruppen zu ordnungswidrigem Verhalten, damit der KFZ-Verkehr dort ungehindert langrasen kann.

Einen besonders schlechten Artikel hatte ich sogar hier im Blog erwähnt.

Der Klimatest wurde sogar etwas genauer unter die Lupe genommen. Dass Gunter Thiele, der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Stadtrat, die Kritik nicht teilen kann liegt wahrscheinlich daran, dass er noch nie das Fahrrad als Fortbewegungsmittel in Dresden genutzt hat. Allein für diese Aussage sollte er zurücktreten, denn dass er keine Ahnung hat, ist spätestens jetzt jedem klar. Was Marx so alles macht oder nicht macht, das wissen wir ja. Hauptsache irgendwas labern.

Die DNN macht es manchmal etwas besser. Aus der Betonmischermeldung ist sogar ein Artikel geworden, der ohne Spekulationen und Beschuldigung des Radfahrers auskommt.

Einen Sinnlosartikel hatte ich auch schon erwähnt.

Der Artikel zum ADFC-Klimatest ist nur allgemein gehalten und nimmt keinerlei Bezug zum schlechten Abschneiden Dresdens.

Beim MDR gab’s auch einen Artikel, der großspurig tönt „In Sachsen ist Leipzig bei Radlern am beliebtesten„. Wie man bei einer Schulnote von 3,6 von beliebt sprechen kann ist mir ein Rätsel.

Später mehr.

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7 Kommentare zu “Dresden versagt weiterhin beim Thema Radverkehr Teil 1

  1. Ich habe die selben Artikel gelesen wie du und mir das gleiche gedacht. Auch ärgere ich mich über den Stillstand in der Stadtverwaltung. Die Ergebnisse des Fahrradklimatests sind nicht überraschend.

    Trotzdem sollen wir nicht vergessen, dass Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer alle Menschen sind. Mit Hass kommen wir definitiv nicht weiter. Wir brauchen positive Werbung für das Radfahren und müssen sachlich aufklären – lieb und freundlich, aber bestimmt.

    Es ist ein sehr geringer Trost, aber unsere Lokalpresse in Dresden berichtet m.E. objektiver und fahrradfreundlicher als in manch anderen Orten in Sachsen und bundesweit.

    • Natürlich kommt man mit Aggressionen nicht weiter, es ist einfach ein Nebenprodukt der schlechten Verkehrssituation. Stillstand in der Verwaltung, das stimmt, aber auch jede Menge Widerstand.

      Mit der positiven Werbung gehe ich mit. Sachliche Aufklärung ist lobenswert, aber nach meinen Erfahrungen in einer Großstadt fruchtlos. Hier braucht es einfach hohe Bußgelder und regelmäßige Kontrollen für ALLE Verkehrsteilnehmer.
      Manchmal habe ich den Eindruck das ist von der Politik gewollt, um von wichtigeren Themen abzulenken.

      Die DNN ist i.d.R schon ok, aber wenn’s bei der SZ über das Abschreiben von Pressemeldungen hinaus geht sieht’s meist düster aus.

  2. Die Situation am „Nürnberger Ei“ kenne ich leider aus eigener Erfahrung, weil ich hier drei mal in der Woche fahren muss. Nicht nur der Radweg ist gefährlich, sondern auch der Fußgängerübergang an der Ampel in Richtung Konsum. Die von rechts kommenden Autos sieht man nicht, weil sie aus der Kurve kommen. Die Autos fahren nicht nur zu schnell, sondern viel zu schnell. Der Rest versucht noch bei Rot über die Ampel zu kommen. Ich habe an dieser Stelle jedes mal Angst, ob ich heil über die Straße komme. Als Fahrradfahrer steige ich in dieser Stelle ab und schiebe mein Rad. Jetzt habe ich für mich entdeckt, dass es besser ist, über die Budapester Straße zu fahren und das Nürnberger Ei zu meiden. Ich finde auch den Autolärm am Nürnberger Ei unerträglich. Manchmal frage ich mich, wo hat der Mensch seinen gesunden Verstand.

    • Die Nürnberger Straße steht auch auf meiner (langen) Liste der anzugehenden Probleme. Aber es ist schon schwer in seiner Freizeit gegen die hauptberuflichen Verkehrsvandalen der Verwaltung anzukommen.

      • Das Nürnberger Ei entlang ist sowieso Tempo 30, ein guter Grund, dort einfach die Fahrbahn zu benutzen. Klar, es gibt immer mal den einen oder anderen Idioten, der hupt oder zu eng überholt, aber wenn viele Radfahrer auf der Fahrbahn unterwegs sind, gewöhnen sich die Leute allmählich dran. Besser, als die Fußgänger dort zu belästigen ist es allemal.
        Und wenn sich das Fahrbahnfahren einmal etabliert hat, kann man auch leichter gegen die blauen Schilder vorgehen… ;-)

  3. Ich muss gestehen, dass ich an genau einer Stelle chronischer Geisterradler bin: Als chronisch zu spät losfahrender Student sehe ich es echt nicht ein, dass ich, aus der Oederaner Straße kommend, in Richtung Uni an der Ampel Freiberger Straße/ Ebertplatz ewig lange warten muss. Stattdessen fahre ich dann eben bis zur Budapester Straße linksseitig auf der Brücke, dort ist der Radweg ja auch sehr breit.
    Natürlich ist die Löbtauer Brücke ein schwieriger Verkehrsknoten, in meinen Augen ist es aber nicht akzeptabel, für einen Umweg von ca. 100m 5min länger zu brauchen.

    • Ich sag mal so. Autofahrer müssen auch den Umweg nehmen, es gibt also keine Benachteiligung gegenüber Dosenfahrern. Insofern sehe ich da kein Problem.
      Ein klein wenig ließe sich das regelwidrige Verhalten „optimieren“. Wenn du sowieso von der Oederaner auf die Brücke fährst (was man ja schon nicht darf), könntest du statt links auf den Gehweg zu fahren einfach nach rechts auf die Fahrbahn abbiegen. Dann einfach in die Linksabbiegerspur einordnen, wenden und dann kannst du in die Richtige Richtung fahren. Damit ersparst du dir die Ampeln und der Zeitverlust begrenzt sich auf ein bis zwei Minuten, wenn überhaupt.

      Der Radweg (zumindest der Großteil) auf der Brücke ist übrigens überhaupt nicht breit. ;-)
      Diese (farbig gekennzeichnete) Krüke besteht z.T. aus einem bzw. teilweise geteilten Radweg von 0,5m bis 1,00m Breite. Achte ruhig mal drauf. Verstößt natürlich gegen die VwV-StVO (Mindestbreite, Oberflächenbeschaffenheit, Stetigkeit, Eindeutigkeit), aber das ist ja nichts neues.
      Was wirklich breit ist, ist der Gehweg, der mehr von Radfahrern genutzt wird, als der Radweg.

      Übrigens, wenn du dort täglich lang fährst, könntest du mir Bescheid geben, wann die Fahrradampel von der Nürnberger in die Chemnitzer parallel zur Fahrbahnampel umgestellt wurde? Es lässt sich daran erkennen, dass man nicht mehr betteln muss und dass Signalgeber für bline angebracht werden (die tickenden Dinger)?

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