Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht

Neubepflanzung auf der Winterbergstraße

8 Kommentare

Heute gibt’s keinen Beitrag von mir, sondern von Martin. Nochmal vielen Dank an dieser Stelle und viel Spaß beim lesen.


Ich fahre täglich, wie viele andere Radpendler aus dem Dresdner Osten, über die Winterbergstraße in Richtung Zentrum. Über diese führt eine von der Stadt ausgewiesene Radhauptroute, die Gesamtsituation auf der Winterbergstraße ist allerdings nicht sonderlich zufriedenstellend.

Am Ende der Winterbergstraße, kurz vor der Kreuzung Karcherallee/Großer Garten gibt es einen Stummel benutzungspflichtigen gemeinsamen Geh- und Radweg. Dieser ist seit jeher in einem schlechten Zustand. Mitte April musste ich jedoch verblüfft feststellen, dass mitten auf diesem Geh- und Radweg auf einmal drei Bäume gepflanzt wurden. Krimlinden, wie ich herausgefunden habe (https://www.dresden.de/de/02/035/01/2015/03/pm_095.php?lastpage=zur%20Homepage)

Winterbergstraße

Neubepflanzung auf dem Geh- und Radweg (1)

Winterbergstraße

Neubepflanzung auf dem Geh- und Radweg (2)

 

Die nahe dem Kreuzungsbereich gepflanzten Bäume schaffen neue Konflikte für Radfahrer, welche an dieser Stelle von der Fahrbahn auf den gemeinsamen Geh- und Radweg wechseln müssen. Diese müssen jetzt aufpassen nicht gegen einen der Bäume oder bereits auf dem Rest des Weges befindliche Radfahrer oder Fußgänger zu fahren. Die verbleibende nutzbare Breite des Weges befindet sich nur rechtsseitig der Bepflanzung. Diese beträgt exakt 2 Meter. Links der Bepflanzung befindet sich ein komplett verfallener und überwachsener Rest eines Weges, welcher nicht mehr als solcher erkenn- oder benutzbar ist. Die Mindestbreite von gemeinsamen Geh- und Radwegen beträgt 2,50 Meter (VwV zu §2 StVO zu Absatz 4 Satz 2). Hauptverbindungen des Radverkehrs sollten überhaupt nicht über gemeinsame Geh- und Radwege geführt werden (ERA 3.6).


Winterbergstraße

Nutzbare Wegbreite?, Konflikte mit Rechtsabbiegern

Dabei handelt es sich bei der Kreuzung Winterbergstraße/Karcherallee um einen bekannten Unfallschwerpunkt für Radfahrer. Insbesondere Konflikte mit motorisierten Verkehrsteilnehmern sind an der Tagesordnung. Die Sichtbeziehungen zwischen Rad- und Autofahrern wird durch die neu gepflanzten Bäume eingeschränkt und die Gefährdungssituation für Radfahrer weiter verschlechtert.
Durch rechtsabbiegende Verkehrsteilnehmer und geradeausfahrende Radfahrer kam es bereits ohne Bepflanzung immer wieder zu gefährlichen Situationen und Unfällen. Noch ist an den neu gepflanzten Bäumen nicht viel dran. Bei stärkerem Bewuchs kann ich mir jedoch sehr gut vorstellen, dass dort Radfahrer gerne mal „übersehen“ werden.
Die Stadt sollte sich hier um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, und auch gerade der schwachen Fußgänger und Radfahrer, bemühen.

Bezüglich der gepflanzten Bäume habe ich beschlossen, die Radverkehrsverantwortliche der Stadt Dresden anzuschreiben. Ich erhielt hier sehr schnell eine Antwort (Lob an Frau Ludwig). Diese antwortete mir u.a. folgendes:

„Die Bäume wurden geplant und mit uns abgestimmt durch das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft auf dem Gehweg, in diesem Abstand zum Fahrbahnbord gepflanzt. Die Gehwegrücklage wurde weiter nach hinten gerückt. Dadurch entsteht auf der Fahrbahn der Platz, vor der Ampel den Radfahrer auf einer Geradeausfurt direkt in den Großen Garten zu führen. Damit entfällt der Zwang auf den Gehweg in den Seitenraum.
Problem aktuell ist, dass die Pflanzung der Bäume nicht mit der Straßenbaumaßnahme gleich läuft. In Anbetracht der zukünftigen Entwicklung sehen wir jedoch einen Schritt in die richtige Richtung.“

Und auf Nachfrage:

„Der Ausführungstermin ist noch nicht gesetzt. Allerdings hätte das ASA (Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft) so oder so gepflanzt. Die Bäume hätten wir aber zu einem späteren Zeitpunkt nur sehr schwer wieder „weg“ bekommen.“

Außerdem soll entlang der Winterbergstraße eine durchgehende Radverkehrsführung in Planung [sic!] sein. Bislang ist mit dem Fahrrad zwischen Liebstädter Straße und Karcherallee die Fahrbahn zu benutzen. Oder der freigegebene Gehweg mit Schrittgeschwindigkeit. Auf der Fahrbahn mit zwei Spuren je Richtung erreichen die Autos im Moment Geschwindigkeiten von 60 km/h und mehr (offiziell 50 km/h).
Sollte die Ausführung der Radfurt an der Kreuzung Winterbergstraße/Karcherallee und der Bau einer Radverkehrsführung bis zur Liebstädter Straße zeitgleich erfolgen, kann das wahrscheinlich noch sehr lange dauern. Der Bau eines Radwegs würde entweder den Wegfall zweier (vollkommen überflüssiger) Fahrspuren oder das aufwendige Umgestalten der gesamten Straße bedeuten. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass die Autostadt Dresden Fahrspuren abschaffen oder die gesamte Straße umgestalten will nur um eine geeignete Radinfrastruktur zu schaffen. Bleibt noch zu hoffen, dass zumindest die Geradeausfurt auf der Fahrbahn zum Großen Garten so bald, wie möglich realisiert wird.

 

von Martin

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8 Kommentare zu “Neubepflanzung auf der Winterbergstraße

  1. Wie bescheuert sind die eigentlich in der Verwaltung?

  2. Hab ich gerne geschrieben, vielen Dank fürs veröffentlichen.

  3. Interessanter Beitrag! Ich fahre jetzt die Winterbergstraße schon über 30 Jahre fast täglich. Da hat sich in laufe der Zeit sehr viel verändert. Wenn ich an die Zeit vor 1989 denke, dann ist die Winterbergstraße heute fast ein Schlaraffenland. So toll stören mich die neu gepflanzten Bäume nicht. Was mich viel mehr nervt, ist das viel zu hohe Tempo der Autofahrer (wurde hier ja schon erwähnt), das viel zu dichte Vorbeifahren der Autos und die ungeduldigen Rechtsabbieger an der Karcherallee. Dort hatte ich schon einen Unfall. Würden sich alle Verkehrsteilnehmer (speziell die Autofahrer) ordentlich verhalten, dann kommt man mit ein paar Bäumen auf dem Rad-Gehweg sicherlich gut zurecht.

    • Ich fahre erst seit ca. 10 jahren mehr oder weniger regelmäßig da lang. Ich kenne also keine andere Radverkehrsführung auf der Winterbergstraße. Aber gerade bei dem Schutzstreifen, der zwischen Rennplatzstraße und Liebstädter Straße in der Türzone der Autos verläuft, bin ich mir nicht sicher, ob das nun besser als gar nix ist.
      Gegen das Überholen ohne ausreichenden Sicherheitsabstand hilft es auf jeden Fall, angemessenen Sicherheitsabstand zum Bordstein zu halten. Wenn der Abstand ca. 1m ist, können Autofahrer nicht mehr überholen ohne über die linke Spur zu fahren. Dann halten die meisten auch gleich vernünftigen Abstand ein.
      Und genau wegen den Rechtsabbiegern auf die Karcherallee finde ich es nicht besonders elegant dort Bäume hinzupflanzen. Die Radfahrer verschwinden noch weiter in den Außenraum hinter den Bäumen, so dass sie von Autofahrern womöglich gar nicht mehr wahrgenommen werden.

  4. Letztes Jahr gab es mal einen Artikel in der SZ, in dem die Stadtverwaltung überlegte, die äußeren Fahrspuren komplett in reine Radspuren umzuwandeln. Ist aber scheinbar ganz schnell wieder in der Versenkung verschwunden ;)

    Auf SZ-Online konnte ich den aber leider nicht mehr finden.

    • Da ich über die SLUB Zugriff auf das gesamte SZ-Archiv habe, hab ich mal nachgeschaut was es damit auf sich hat:
      „Weiterhin ist ein gewagter Pilotversuch geplant. Demnach werden auf fünf vierspurigen Straßen die beiden äußeren Spuren zu breiten Radstreifen. Möglich wäre dies laut Konzept auf der Parkstraße, der Winterbergstraße oder der Wigardstraße. Zuvor soll aber erst noch geprüft werden, ob das nicht zu einem Verkehrskollaps führen würde.“
      Sächsische Zeitung vom 14.11.2013 Seite 15, Verkehr der Zukunft (3), Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger

      Muss wohl irgendwie zusammenängen mit dem Verkehrsentwicklungsplan 2025. Und genau das stehts auch drinne auf Seite 148: http://www.dresden.de/media/pdf_neu/stadtplanung/verkehr/VEP_Entwurf_Gesamt_2013-10-07.pdf

      Da drin stehen viele tolle Sachen (siehe auch Radschnellwege von unserem seltsamen Verkehrsexperten über den trommelbremse mal was geschrieben hat), aber das heißt wohl nicht viel :D

      • Danke für die schnelle Recherche.

        Da müssten Stadtrat und -verwaltung mal die Pläne ausführen, die sie für teuer Geld erstellen lassen ;)

    • Passend dazu in der heutigen MOPO:
      https://mopo24.de/nachrichten/hier-strampelt-sich-ulbig-fuer-dresden-ab-6723

      Um Himmels willen, bloß nicht die autofahrenden Wähler verärgern :D

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