Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht


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Planfeststellung Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße

Von April bis Mai lagen im STA die Pläne für das Bauvorhaben „Stadtbahn 2020 TA 1.1 Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße von Reisewitzer Straße bis einschließlich Knotenpunkt Tharandter Straße“ aus.

Die Planungsunterlagen kann man noch auf der Seite der Landesdirektion einsehen. Haben sie wohl vergessen. Auf Dresden.de wurden die Unterlagen nämlich entfernt.

 

Prinzipiell kommt es zu einigen Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger, allerdings wurde auch jede Menge Murks geplant.

Positiv ist erst einmal, dass die Haltestelle frei von MIV ist. Weiterhin werden entlang der Kesselsdorfer ab der Gröbelstraße aufwärts Radfahrstreifen angelegt. Dann hat hoffentlich diesen schwachsinnige Gehwegfahren ein Ende. Weiterhin wird der Radverkehr von der Kesselsdorfer in die Freiberger Straße auf der Fahrbahn geführt.

Das war’s dann aber auch schon.

Die Planungsfehler fallen dann doch deutlicher aus. So werden Radfahrer im Bereich der Zentralhaltestelle auf einen schmalen Gehweg von 1,60m gezwungen. Sie müssen dann genau zwischen Haltestellenbereich und Einzelhandelsgeschäften durchfahren. Das hat schon nicht funktioniert, als es noch einen benutzungspflichtigen Radweg auf dem Gehweg der Kesselsdorfer gab und es wird auch in Zukunft nicht funktionieren.

Zunächst wurden keine Gründe angegeben, weshalb der Radverkehr auf dem Gehweg geführt wird. Der Radweg verstößt gegen §45 (9) StVO. Auch baulich erfüllt er nicht die nötigen Voraussetzungen. Regelmaß für einen Einrichtungsradweg sind 2,00m. Lediglich bei geringem Radverkehr darf auf das Mindestmaß von 1,60m zurückgegriffen werden. Geringer Radverkehr auf der Kesselsdorfer? Wenn man dazu noch an die Zukunft denkt und nicht nur bis zur nächsten Wahlperiode, fällt auf, was da schief läuft. Die vielen dummen Geisterfahrer darf man natürlich auch nicht vergessen.

Seit Wegfall der Benutzungspflicht dieser Krüppelradwege auf der Kesselsdorfer sind die Unfälle übrigens signifikant zurückgegangen. Mit diesen desaströsen Planungen werden die innerhalb der Zentralhaltestelle sprunghaft ansteigen.

Weiterhin soll der Zweirichtungsradweg auf der Freiberger Str. (Nordseite Bismarckbrücke) beibehalten werden. Angeblich weil kein Platz für einen Radstreifen auf der Fahrbahn ist und damit die Radroute von der Lübecker Str. in den Weißeritzgrünzug erhalten bleiben kann. Völliger Blödsinn. Schon jetzt ist die Anordnung des Zweirichtungsradwegs rechtswidrig. Linksseitige Radwege sollen innerorts überhaupt nicht angelegt werden. Die Beibehaltung einer Radroute, die keine Sau nutzt rechtfertigt nicht mal ansatzweise die Gefahren, die davon ausgehen. Was den Platzbedarf angeht ist das natürlich auch gelogen. Es gibt eine Fahrspur und eine Bussonderspur. Zum einen wäre natürlich Mischverkehr möglich. Dann gibt es noch die Möglichkeit die Busspur für Radfahrer freizugeben. Wenn Radfahrer weiter auf dem Gehweg fahren sollen werden sie reihenweise von Rechtsabbiegern umgemäht.

Diese rechtswidrigen Hochbordradwege auf der Löbtauer Straße sollen beibehalten werden. Die Rechtsabbiegerspur in die Kesselsdorfer soll in eine zweite Geradeausspur umgewandelt werden. Angeblich sei das nötig, damit der Rückstau der Blechkarren nicht bis zum überfahrbaren Gleisbereich nördlich der Columbusstraße reicht und somit die Straßenbahn behindert. Bisher war das komischerweise nie ein Problem. Momentan gibt es nur eine Geradeausspur. Nach dem Umbau wird die Anzahl der KFZ, die geradeaus fahren wollen auch nicht größer.

Ein paar Bettelampeln für Fußgänger und Radfahrer wurden auch noch spendiert.

Am Teilknoten Löbtauer Straße werden die Fußgänger- und Radfurten über die Kesselsdorfer Straße und Weißeritzbrücke nur auf Anforderung bedient. Die Zufahrt der Weißeritzbrücke wird ebenfalls nur auf Anforderung freigegeben.

Schaltungen von Lichtsignalanlagen, die nicht der Verkehrssicherheit dienen sind rechtswidrig. Hier dienen sie nur dazu, dass der KFZ-Verkehr mit Tunnelblick um die Kurve gasen kann, ohne von Fußgängern und Radfahrern gestört zu werden.

 

Es wurde also ziemlich viel vermasselt. Aber wir sind es ja gewohnt von unseren Aushilfsplanern und Praktikanten.

 

Ich hab einen Einspruch an’s STA geschickt. War etwas knapp, aber ich hab ihn gerade so fertig bekommen. Bis zum 3. Juni kann man das noch machen.

 

1.  Jeder kann bis zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist, also bis zum 3. Juni 2015, bei der

  • Landeshauptstadt Dresden, Straßen- und Tiefbauamt, St. Petersburger Straße 9, 01069 Dresden, oder
  • bei der Anhörungsbehörde Landesdirektion Sachsen, Standort Dresden, Stauffenbergallee 2, 01099 Dresden,

schriftlich oder zur Niederschrift Einwendungen gegen den Plan erheben.

 

Falls noch jemand ebenfalls Lust drauf hat und seinen Einspruch am besten gleich persönlich bei STA innerhalb der Frist abgeben kann, dem kann ich meinen gern zukommen lassen. Wohnt jemand in Löbtau kann der fast 1:1 übernommen werden, bei etwas abweichenden Wohnorten muss man ein kleines bisschen umformulieren (Betroffenheit usw.).


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OB-Wahl aus Radfahrersicht

Nachdem Orosz endlich weg vom Fenster ist bekommen wir nach sieben Jahren des Stillstands endlich einen neuen Oberbürgermeister. (Nicht nur) in Sachen Radverkehr hat Orosz völlig versagt. Wer Radfahrern empfiehlt in allen Wintermonaten den ÖPNV zu nutzen, weil dies sicherer sei, hat ja wohl den Schuss nicht gehört.

Wichtigster Anhaltspunkt war natürlich das Forum des ADFC mit Stange und Ulbig. Die Antworten wurden protokolliert. Hilbert ließ sich entschuldigen, hat aber immerhin seine Antworten zu den vorher feststehenden Fragen eingesendet. Die Nichtteilnahme kann man natürlich auch entsprechend deuten.

Neben dem üblichen Politikgelaber kann man die Fahrradfreundlichkeit meiner Ansicht nach an einigen wenigen (genau zwei) Punkten festmachen.

1. Wer fährt selbst Fahrrad?

Stange gibt immerhin zu, dass sie nicht selbst Rad fährt, u.a. mit der Ausrede, dass die den Berg hoch muss. Dass es E-Bikes und Pedelecs gibt, die das Problem lösen hat sich wahrscheinlich noch nicht zu ihr rumgesprochen. In dem Fall ist es einfach Faulheit. Immerhin hat sie eine Tochter, die ihr die Ohren über die miesen Radfahrbedingungen vollheult. Auf ihrer Internetpräsenz wird das Radfahren nur kurz erwähnt.

Ulbig sagte zwar, dass er gern und viel Rad fährt, seine Aussage darf aber in höchstem Maße bezweifelt werden. Warum muss er sich erst ein Rad kaufen, wenn er soviel fährt? War das Alte pünktlich zur Wahlkampfzeit kaputt? Ich habe zwar auch drei Räder, aber als Innenminister wird man sich wohl kaum die Zeit nehmen mehrere Räder auszufahren. Immerhin thematisiert er das Radfahren am umfänglichsten auf seiner Internetpräsenz.

Hilbert posiert auf seiner Seite auf einem Leihfahrrad. Putzig. Weitere Erwähnungen des Radverkehrs gibt es keine. Der typische Autofahrer, der Radfahren nur vom Hörensagen kennt und nur auf den Pro-Rad-Zug aufspringt, weil es gerade angesagt ist. Dass er zur Fahrradhasserpartei FPD gehört spricht nicht für ihn. Großspurig Tönen und nichts machen, wie Orosz.

2. Winterdienst auf Radwegen

Genau an diesem Punkt wird klar, ob man das Radfahren ernst nimmt und auch dafür Geld ausgeben will oder ob man nur die positiven Werbeeffekte des Radfahrens für sich nutzen will, obwohl man keinen Finger krümmt (Beispiel Stadtradeln).

Stange hat im Zuge des ADFC-Forums einen Winterdienst zugesagt. Ulbig hat das abgelehnt (soviel zum Thema er fährt oft und gern Fahrrad). Von Hilbert habe ich keine Aussage gefunden. Ich hab ihn diesbezüglich über sein Kontaktformular befragt. Angeblich will er ja alle Fragen beantworten. Mal sehen, ob was kommt.

Fest steht, dass der Radverkehr auch unter dem neuen OB keine großen Sprünge machen wird. Dazu fehlt es am Vorausdenken und vorallem am Willen den motorisierten Verkehr einzuschränken und den verfügbaren Platz gemäß der Verkehrsanteile gerechter aufzuteilen. Man kann letztendlich nur die Person wählen, mit der es am wenigsten Stillstand geben wird. Das sind meiner Meinung nach weder Hilbert noch Ulbig.


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Elberadweg wird gerade wieder aufgebaut / falscher Abschnitt zerstört

Die Provinzposse um die Zerstörung des Elberadwegs treibt immer skurrilere Blüten.

Wie die Morgenpost berichtet (zwar nicht meine favorisierte Quelle, aber immerhin sind die schnell), soll das zerstörte Stück des Elberadwegs bis zum Mittag wiederhergestellt sein. Befahrbar wird er dann noch nicht sein, aber das hat Koettnitz auch so nicht gesagt.

Die Arbeiten sind im vollen Gange. Hier muss ich ein großes Lob an die Verantwortlichen aussprechen, denn so schnell hab ich die Stadt noch nie handeln sehen.

Unterdessen stellte ein Vermessungstechniker fest, dass der betreffende Teil des Elberadwegs nicht auf Töberichs Grundstück, sondern auf städtischem Grund verläuft. Dies unterstreicht noch einmal deutlich, wie wenig durchdacht die Reaktion war.

Gestern stellte die Stadt Dresden Strafantrag gegen Regine Töberich und Unbekannt.