Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht


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Brief an Koettnitz (Baustellenbeschwerde)

Der Brief geht nächste Woche raus.
Mir ist bewusst, dass man mit freundlichen Worten oft mehr erreichen kann, aber die im STA scheinen mir so in ihrer Blase zu leben, dass da ein bisschen Konfrontation mit der Realität nicht schaden kann. Außerdem ist es nicht der erste Brief dieser Art von mir. :-)

Wer sich anschließen will, nur zu. Der Text kann beliebig verwendet und verändert werden.

 

 

Beschwerde über die generelle Führung des Rad- und Fußgängerverkehrs an Baustellen

 

Sehr geehrter Herr Koettnitz,

hiermit muss ich mich einmal mehr über die generelle Führung des Rad- und Fußverkehrs an Baustellen beschweren.

Aktuelle und in den vergangenen Wochen erstellte Führungen des Rad- und Fußgängerverkehrs an Baustellen, machen wieder einmal sehr deutlich, dass keinerlei Interesse einer sicheren Führung des nichtmotorisierten Verkehrs besteht. Schlimmer noch, die tatsächlich umgesetzten Führungen widersprechen nicht nur zahlreichen Sicherheitskriterien, sondern auch dem gesunden Menschenverstand. Alles wird dem “störungsfreien” Vorankommen des Kraftfahrzeugverkehrs untergeordnet. Dem unmotorisierten Verkehr werden haarsträubende “Restwege” zugemutet.

 

Konkrete Beispiele:

Antonstraße:
Zur Restaurierung einzelner Teile der Bahnbögen wurde wieder einmal der gemeinsame Rad- und Gehweh zwischen Bahnunterführung und Leipziger Straße gesperrt.
Eine sichere Überführungführung des Radverkehrs auf die Fahrbahn war nicht vorhanden. Zwar wurde ein Tempolimit von 30km/h angeordnet und ein Baustellenschild aufgestellt, dennoch hatte dies in der Praxis keine Auswirkungen auf das (auch dem STA) bekannte regelwidrige Verhalten des KFZ-Verkehrs (generelles Überschreiten des Geschwindigkeitslimits). Die Behörde ist zwar in erster Linie nicht für das Fehlverhalten verantwortlich, da Sie aber genau wissen, dass fast kein Fahrzeugführer die Bedeutung des Baustellenschildes kennt und dass Tempo-30-Schilder vom Großteil des KFZ-Verkehrs ignoriert werden sind Sie dennoch (zumindest moralisch) in der Pflicht. Die Sicherung der Baustelle mag zwar haftungsrechtlich gerade so korrekt gewesen sein, war aber praktisch, und das wusste sicher auch der Planer, eine massive Gefahr für den Radverkehr.

 

Kreuzung Könneritzstraße / Ostraallee:

Bei dieser Radverkehrsführung kommen mir erhebliche Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des zuständigen Planers auf.
Während der KFZ-Verkehr in einem Linksbogen um die Baustelle herum geführt wurde, wurden Radfahrer allen ernstes gezwungen auf dem Gehweg nach rechts in die Ostraalee einzubiegen, nach 50m die Fahrbahn zu queren, um dann wieder auf dem Gehweg zurück zur Kreuzung zu fahren.
Die Führung des Radverkehrs im Mischverkehr mit dem KFZ-Verkehr wäre überhaupt kein Problem gewesen. Natürlich wäre das mit entsprechenden Beschränkungen des KFZ-Verkehrs verbunden gewesen, was nicht gewollt ist. Aber mit Fußgängern und Radfahrern kann man das ja machen. Dass kein Radfahrer die Umleitung wegen Unzumutbarkeit nutzen wird, war vorher klar.
Da stellt sich mir die frage, ob es amtsintern einen Wettbeweb für die Radverkehrsführung mit dem größten Schikanepotential gibt, dessen Sieger dann prämiert und umgesetzt wird.

 

Kreuzung Weißeritzstraße / Friedrichstraße

Der Gehweg ist/war aufgrund der Bauarbeiten abschnittsweise in seinem kompletten Umfang nicht nutzbar. Übrig bleibt der Radweg, der von Fußgängern nicht benutzt werden darf. Dennoch wird er ordnungswidrig von Fußgängern benutzt, was zu gegenseitigen Gefahrensituationen führt. Eine ausweichende Führung für die Fußgänger ist nicht vorhanden.
Teilweise war der Gehweg in kompletter Breite nur abgesperrt, damit die Bauarbeiter ihr Dixieklo auf den Gehweg stellen konnten! Hier werden die Prioritäten sehr deutlich.

 

Meine Anfrage an das STA über das Kontaktformular vom 8.11.15, wer für die Planung und Genehmigung der Baustellenführung verantwortlich war, wurde natürlich nicht beantwortet.

 

Das sind nur wenige von unzähligen Beispielen. Dass die Gefährdung von Radfahrern und Fußgängern vom STA und SPA billigend in Kauf genommen wird, solange man die Vorschriften halbwegs einhält ist mir lange bekannt, aber ich empfehle die systematische Schikane von Fußgängern und Radfahrern in Zukunft zu überdenken.
Der blinde Rückhalt für das STA für derartige, andere Verkehrsarten verachtende, Maßnahmen dürfte mit dem Wegfall der alten dosenfixierten Bürgermeisterriege nicht mehr besonders groß sein.