Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht

Vollzugsdefizit

20 Kommentare

Ich habe ein neues Wort gelernt! Aber der Reihe nach.

Brache Marienbrücke

Illegales Parken im Landschaftsschutzgebiet

Die Brache liegt am Elberadweg zwischen ebendiesem, der Marienbrücke, einer Gartensparte und der Uferstraße. Da dort täglich Kraftfahrzeuge parken und beim Wenden über den Elberadweg fahrern, werden immer wieder große und kleine Steine auf dem Weg verteilt. Wenn man da nicht aufpasst, kann man sich durch das Überfahren eines größeren Steins schon mal hinlegen.

Da der „Parkplatz“ sehr nah an der Elbe liegt und nicht einmal kostenpflichtig ist, hab ich mir mal angesehen, bis wohin das Landschaftsschutzgebiet des Elbufers reicht (Themenstadtplan) und siehe da, das LSG schließt die Brache ein. Damit ist das Befahren und erst recht das Parken von Kraftfahrzeugen verboten. Scheint aber niemanden zu stören. Seit Monaten Jahren. Also schnell per Mail bei Frau Ludwig (die Radverkehrsverantwortliche, wer sich erinnert) angefragt, wie es denn so aussieht mit dem Parken im LSG und ob man das mit Pollern bzw. eher mit Findlingen verhindern könnte. Das war im Februar. Nach einem Monat ohne Antwort (Hallo???) schrieb ich nochmal ’ne Mail zur Erinnerung. Zurück kam eine Autoantwort, dass Frau Ludwig gerade verschollen ist (offiziell: nicht im Büro). Nach einem weiteren Monat meldete sich Frau Ludwig endlich, nur um mir mitzuteilen, dass Sie noch keine Antwort erhalten hat. Immerhin, es gibt sie noch.

Diese Woche flatterte nun die Antwort unserer Umweltschutzbehörde rein. Also nicht nut Umweltschutzbehörde. Die trägt auch noch Wasserschutz und Bodenschutz im Namen. Also alles was rostenden Blechdosen entgegen steht. Lest selbst:

innerhalb des Geschäftsbereichs Umwelt haben wir als Naturschutzbehörde Ihre Mail zur Beantwortung erhalten. Im LSG „Dresdner Elbwiesen und -altarme“ ist es grundsätzlich verboten, Kraftfahrzeuge außerhalb der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen, Wege und Plätze zu fahren oder abzustellen. Das besondere Vollzugsdefizit im Zuge der verlängerten Uferstraße mit der derzeit relativ ungehinderten Zufahrt ist uns bekannt. Wir streben eine Umgestaltung des ehemaligen Lagerplatzes des Straßen- und Tiefbauamtes in Richtung Entsiegelung/Bepflanzung an. Dies soll mittelfristig im Zuge der Neuordnung des Gesamtbereiches mit dem Bebauungsplan Leipziger Straße/Neustädter Hafen erfolgen. Ihr Ansprechpartner bezüglich der Inhalte dieser Planung und der Zeitschiene ist das Stadtplanungsamt, verbindliche Bauleitplanung. Wir danken für Ihr Verständnis.

Wow, eindeutiger kann man gar nicht sagen „Interessiert uns nicht!“. Zur Erinnerung: Das steht was von Naturschutz im Namen. Am besten gefällt mir das Wort „Vollzugsdefizit“. Genial. Spontan assoziiere ich das mit Intelligenzdefizit. Oder Willensdefizit. Auf meinen Vorschlag mit den Findlingen sind die gar nicht erst eingegangen. Dass die Umgestaltung Jahre dauern wird, weiß jeder, der mit den Schnarchern vom Stadtplanungsamt schon zu tun hatte.  Den letzten Kommentar finde ich schon unverschämt.

Ich werde doch mal direkt Frau Jähnigen (Grüne Umweltbürgermeisterin) anschreiben und ihr mein Zufriedenheitsdefizit mitteilen. Mal sehen, ob die Grünen was anderes Können als Quatschen.


		
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20 Kommentare zu “Vollzugsdefizit

  1. Ist doch das gleiche wie am Blauen Wunder, dort ist es ja sogar „offiziell“ geduldet im LSG zu parken…
    http://www.sz-online.de/nachrichten/elbe-parkplaetze-im-planungswirrwarr-3205723.html?desktop=true

  2. Da fahre ich täglich lang, stört mich ehrlich gesagt wenig. Würden nur größere Steine zur Absperrung da liegen, könnten Partyleute Abends sich da ihr Getränk im sitzen reinziehen. So weit so gut. Doch landen meist die Glasflaschen anschliessend zertrümmert auf dem Radweg. Gerade an der Stelle ein Stück weiter, hat man Silvester keine Chance ohne Platten durch zu kommen. Dann lieber Steine und auf das Maul geflogen, das heilt meist von alleine.

    • Die Partyleute können dort auch ohne Steine sitzen (z.B. Treppenaufgang Marienbrücke). Ich glaube nicht, dass das relevanten Einfluss auf die Scherbensituation dort hat.
      Ich hab dann doch lieber einen Platten, als auf die Schnauze zu fallen. :D

  3. Warum zeigst du die Falschparker nicht an? Ein Foto mit einem Bericht vom Ort und Tatvorwurf per Mail ans Ordnungsamt senden ist recht einfach.

    • Es ist nicht die Aufgabe des Blogverfassers soetwas zu verfolgen. Die Ordnungsgelder sind lächerlich und man steht schnell als denunziant da. Das Nichtverfolgen von Amtsseite hat Methode. Meine Hoffnung die Frau Umweltbürgermeisterin!

    • Hast du das schon gemacht? Klingt nicht so.
      Das OA geht mir als erstes auf den Sack, dass ich das entsprechende Onlineformular nutzen soll. Selbst mit Ausfüllhilfe dauert eine Anzeige mindestens fünf Minuten. Auf dem Bild sind acht Falschparker zu sehen. Der Schnitt sind eher 15 bis 20. Ich hab echt was Besseres zu tun, als täglich Dosenfahrer Anzuzeigen. Es ist Aufgabe der Stadt, nicht meine. Ich bekomme kein Geld dafür. Bei den witzigen Bußgeldern gibt es zudem erst einen Lerneffekt, wenn man den gleichen Fahrer mehrmals erwischt. Bei einer rotierenden Masse hat man keine Chance.

      • Doch, ich wehre mich gegen Falschparker. Ich muß das auch nicht täglich und bei jedem machen, deshalb wäre es schön wenn sich mehr Radfahrer und Fußgänger wehren würden. Ich nutze einen Vordruck wo alles drauf steht. Bei der Lage hier wären also nur andere Kennzeichen einzutragen. Ort, Uhrzeit und Tatvorwurf bleiben gleich. Natürlich ist es die Aufgabe der Stadt das dann zu verfolgen, zu fordern das überall ständig jemand von der Stadt Regelverstöße verfolgt empfinde ich als übertrieben. Hier kommt dann Courage ins Spiel, da mische ich mich ein und habe auch Erfolg damit.

        • Wenn ich das bei jedem machen würde, den ich sehe, wäre ich ehrenamtlicher Vollzeitmitarbeiter des OA. Aber genau das ist das Problem. Wenn es nicht regelmäßig gemacht wird, hat es keinen Effekt.
          Ich fordere von der Stadt kein permanentes Kontrollieren. In diesem Fall ist es aber so, dass seit Jahren nicht wenig, sondern überhaupt nicht kontrolliert wird, obwohl das Problem bekannt ist. Man könnte auch einfach die Zufahrt blockieren, ob mit Findlingen oder anders ist ja egal. Aber es ist einfach nicht gewollt.

  4. Hat jemand Erfahrungen mit der Wegeheld – App gemacht?

    • Vor langer Zeit war das nur eine “Verknüpfung” mit dem Mailprogramm und dann wurden die eingegebenen Daten mit Bild an die hinterlegte OA-Adresse geschickt. Zur Zeit scheints nicht einmal zu funktionieren.

  5. Es sollte ja eigentlich kein Problem sein, dort regelmäßig einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes vorbei zu schicken und den dort Parkenden ein Knöllchen zu verpassen.

  6. Ich frage mich, ob das mit dem Anzeigen wirklich so einfach ist? Es geht ja nicht um einen klassischen Parkverstoß, sondern um einen Verstoß gegen Umweltrecht. Dort sind die Bußgelder vielfach höher als im Straßenverkehr, allerdings gibt es dort m.W. auch keine Halterhaftung. Die Anzeige von Falschparkern per Foto funktioniert schließlich nur, weil bei Parkverstößen immer der Halter zahlen muss; sobald (ob im NSG oder bei Verstößen im fließenden Verkehr) der Fahrer ermittelt werden muss (und der Halter schlicht sagen kann „ich bin nicht gefahren“), hilft ein Foto des Kennzeichens nicht mehr.

  7. Man kanns auch übertreiben.
    Lasst die Leute doch dort parken.
    Die stören nun wirklich niemanden ernsthaft und nach Landschaftsschutzgebiet sieht es dort auch ohne Autos nicht aus.

    • Dass es sehr wohl stört, steht doch im ersten Absatz des Artikels? Mal ganz abgesehen davon, dass der Weg nicht nur von erwachsenen Radfahrern genutzt wird, sondern z.B. auch von Kindern. Und die werden nicht nur vom Dreck gefährdet, die die Autos auf den Weg bringen, sondern auch von den Autos selbst.

      Zum Aussehen: Ich könnte mir gut vorstellen, dass es dort deutlich ansehnlicher wäre, wenn nicht täglich ein Dutzend KFZ drüber fahren würden. Dafür ist die Fläche halt schlicht nicht gemacht, weshalb sie auch so zerfurcht aussieht. Dass ein normaler Stellplatz u.U. mehrere tausend Euro kostet liegt schließlich vor allem an der notwendigen Befestigung des Untergrundes, die hier logischerweise praktisch vollständig fehlt.

      • Ich bin dort schon X-Mal langefahren, ohne dass mich Steinchen gestört haben.
        Und wenn welchen liegen söllten , dann fahren die Erwachsenen klug drumrum, und die Kinder sind nicht so schnell, dass es sie gefährdet…

        Man muss sich ja nur mal das Bild angucken. Das letzte was einem als Bildunterschrift dazu einfällt, ist „illegales Parken im LSG“..

        Ich sag nur, leben und leben lassen.
        Die Autofahren parken, wo sie nicht dürfen (und stören niemanden)
        Radfahrer fahren manchmal gegen die Regeln (also ich zumindest..) (und stören niemanden)
        Drauf geschissen!

        • Sehe ich fast genauso. Nur beim Rennrad richten schon kleinste Steine großen schaden an. Aber (unter anderem), deshalb fahre ich kein Rennrad.

        • Und die Kosten für die Reparatur der entstehenden Schäden zahlen – selbstverständlich – alle Steuerzahler, nicht nur die Falschparker.

    • Es spielt überhaupt keine Rolle, mal davon abgesehen, dass die Falschparker nicht unschuldig daran sind, wie es dort aussieht.
      Man kann sich als Autofahrer auch einfach mal an die Regeln halten und nicht im LSG, im Halteverbot, im Parkverbot, auf Gehwegen oder Radwegen parken. Mal nicht mit 60 – 70 km/h durch die Stadt gondeln, mit 50 durch die 30er-Zone heizen, bei „Kirschgrün“ über die Kreuzung brettern, dicht auffahren, Überholabstände missachten, nötigen, ausbremsen und Hilfssheriff spielen.

      Am besten noch die Elbwiesen als Parkplatz ausweisen, was? Die stören dort doch keinen.

  8. Ich würde Vollzugsdefizit eher als Eingeständnis verstehen, dass man längst hätte was tun müssen

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