Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht


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Verwaltungsversagen unter grüner Führung?

Vor über einem Jahr hatte ich ja über die „Vollzugsdefizite“ bzgl. der Falschparker am Fuße der Marienbrücke (Neustädter Seite) berichtet. Nach wie vor werden unbehelligt Autos im Landschaftsschutzgebiet abgestellt, ohne dass die Verwaltung, wider besseren Wissens, etwas dagegen unternimmt.

Vor einiger Zeit bat ich den Gemeindlichen Vollzugsdienst des Ordnungsamtes dort doch mal die unzulässig abgestellten Fahrzeuge zu kontrollieren. Nach zwei Wochen und einer Erinnerung kam eine Zwischenantwort:

gvd

Leider nur als Bild. Die Sachbearbeiter gehören offensichtlich zur Fraktion der Internetausdrucker. Das Schreiben wurde erstellt, ausgedruckt, gescannt und als PDF gespeichert, um es zu versenden. Das sind Profis bei der Arbeit.

Die Bermerkung zur Wernerstraße bestätigt wieder einmal das, was wir alle wussten. Die Mitarbeiter des OA scheinen nicht besonders clever zu sein. Anstatt jeden Tag an anderen Stellen zu kontrollieren könnten man zur Abwechslung strategisch vorgehen und mehrere Tage bzw. Wochen an derselben Stelle kontrollieren. Das hat definitiv mehr Erfolgsaussichten zur Vermeidung von Ordnungswidrigkeiten, als das hin- und herspringen. Wenn man alle vier Wochen zwei Stunden eine STelle kontrolliert, die jeden Tag dicht ist passiert natürlich nichts.

 

Irgendwann kam dann das zweite Schreiben:

gvd2.png

Soso. Üblicherweise gilt der Grundsatz Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, aber bei Falschparkern machen wir dann doch mal eine Ausnahme. Da Parken weder zu den Grundrechten gehört und die Regeln zum Abstellen von Fahrzeugen in der Regel auf Straßen bzw. Fahrbahnen bezogen sind, ist das nicht nachvollziehbar.

Aber kommen wir zur Umweltbehörde. Das ist die Behörde, die ich schon vor über einem Jahr auf die Situation ansprach, die Kenntnis von den „Vollzugsdefiziten“ haben,  die aber einfach kein Bock haben irgendwas dagegen zu unternehmen.

Oberste Chefin der Behörde ist übrigens Eva Jähnigen. Sie ist Mitglied der Grünen. Allerdings frage ich mich, was Frau Jähnigen den ganzen Tag so treibt. Sicher hat sie als Bürgermeisterin viel um die Ohren, aber wenn sich ihre untergebenen Mitarbeiter aktiv und wider besseren Wissens weigern gegen Parkverstöße im LSG vorzugehen, dann erweckt das den Eindruck, dass sie den Laden nicht im Griff hat. Besonders als Parteimitglied der Grünen macht das einem ziemlich miesen öffentlichen Eindruck. Wenn dann das LSG im Zeitraum des Stadtfestes als „öffentlicher“ Parkplatz fungiert und alles mit LKWs zugestellt ist, dann erkennt man, wie die Verwaltung zu ticken scheint. Dass dies ohne Wissen der Verantwortlichen geschieht ist kaum vorstellbar.

Mittlerweile ist übrigens eine Kennzeichnung des LSG hinzugekommen. Allerdings fängt das erst kurz vor dem Brückenbogen an. Das heißt es wird munter weiter im LSG geparkt. Mit freundlicher Unterstützung des Unweltamtes unter der Leitung der grünen Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen.


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Dresden versagt weiterhin beim Thema Radverkehr Teil 1

Seit 19. Februar sind die Ergebnisse des ADFC Klimatests 2014 öffentlich. Anhand der Karte kann man sich das Ergebnis von Dresden ansehen. Mit Platz 20 und einem Ergebnis (Schulnote) von 3,92 (Vorjahr Platz 21 mit Schulnote 3,96) hat sich im Vergleich zu 2012 nichts verändert. Das Radverkehrsbedingungen in Dresden sind weiter miserabel.

Folgend beleuchte ich einige Punkte etwas genauer. Bei uns …

…werden Radfahrer/innen als Verkehrsteilnehmer akzeptiert. (Note 3,9) 

In Dresden hasst jeder Radfahrer. KFZ-Lenker beschweren sich über Radfahrer auf „ihrer“ Fahrbahn und machen das nicht selten durch zu enge Überholmanöver deutlich (Minimum 1,5m – wenn ein Kind transportiert sind 2m!), die teilweise schon einer Straftat (Verkehrsgefährdung) gleich kommen. Vielfach wird sich über Übertretungen der StVO durch Radfahrer beschwert. Dass die eigene KFZ-Sippschaft permanent die StVO verletzt interessiert dabei wenig (Regelgeschwindigkeit 60 – 70km/h innerorts, Tempo 50 in 30er-Zonen, noch schnell über die rote Ampel huschen, Parken auf Gehwegen und Radverkehrsanlagen, zu enges und gefährdendes Überholen …)

Fußgänger hassen ebenfalls Radfahrer. Das sogar zu Recht. Gehwege sind Schutzräume für Fußgänger. Radfahrer haben nichts darauf zu suchen. Leider zwingt die Dresdner Verkehrsbehörde immer wieder Radfahrer auf Gehwege und verursacht damit ein hohes Konfliktpotential zwischen Radfahrern und Fußgängern. Aber auch unsichere Radfahrer und Radfahrlaien flüchten sich immer wieder in diesen vermeintlich sicheren Verkehrsraum, um sich dann daneben zu benehmen. Dass sich beide Parteien untereinander selten arrangieren und Fehlverhalten an der Tagesordnung liegt (Geisterradeln, Gehwegradeln, Gehen und Stehen auf Radwegen, Verschmutzen von Radwegen mit Glasbruch) verbessert die Situation nicht.

Letztendlich hassen Radfahrer auch andere Radfahrer. Zumindest ist das bei mir so. Jeden morgen kommen mir diese planlosen Geisterfahrer entgegen, nicht den geringsten Gedanken daran verschwendend, dass sie mit ihrem wenig sozialen Verhalten andere behindern und gefährden. Es wird mitten in der Nacht ohne Licht gefahren, es wird an roten Ampeln überholt, nur um dann zehn Sekunden später mit dem klappernden Müllrad im Weg zu radeln. Und man kann nicht überholen, weil der „Radweg“ zu schmal ist. Wenn man die „Gegenseite“ freundlich auf das Fehlverhalten anspricht kommen Bemerkungen und Beleidigungen von „ich weiß“ bis hin zu „Wenn du mir auf’s Schwein geht, geh ich dir auf’s Schwein!“

Das ist kein Dresdner Problem, sondern gilt in ganz Deutschland. Schuld sind die Verkehrsbehörden und Verkehrsplaner, die einfach noch nicht bereit sind, das Unvermeidliche umzusetzen. Weniger Raum für den MIV und mehr eigener Raum für den Radverkehr.

…wird viel für das Radfahren geworben. (Note 4,5).

Was das Alltagsradeln angeht ist das richtig. Ich hab bisher noch nichts von Seiten der Stadt gesehen, was jemanden dazu bewegen würde im Alltag auf’s Rad zu steigen.

Im Winter wird sogar Antiwerbung für das Radfahren gemacht. In einer Anfrage, ob die Radwege diesen Winter geräumt werden, empfiehlt die Oberbürgermeisterin bei „winterlichen Verhältnissen“ auf den ÖPNV umzusteigen. Genauer wird das nicht definiert, aber meiner Einschätzung nach haben wir in Deutschland zwei bis drei Monate lang „winterliche Verhältnisse“. Sobald Schnee liegt, tun das auch viel Radfahrer, dass der ÖPNV dann i.d.R. keine zuverlässiges Transportmittel und zudem hoffnungslos überfüllt ist scheint nicht zu interessieren. Man rät also lieber vom Radfahren ab. Zum Winterdienst später mehr.

Werbung für die Stadt, mit der die Stadt nichts zu tun hat, aber in der sie sich trotz schlechter Bedingungen gerne sonnt, ist das Stadtradeln. Hier belegt Dresden regelmäßig die vorderen Plätze, was aber sicher nicht an den tollen Radverkehrsbedingungen liegt. Das Statement zum Goldgewinn in der Kategorie Fahrradaktivste Kommune mit den meisten Radkilometern ist interessant – es gibt keins.

Weitere Veranstaltungen zur Werbung sind das Fahrradfest der Sächsischen Zeitung und das ŠKODA Velorace. Hier muss man der Stadt zugute halten, dass für die Veranstaltungen Straßen gesperrt und Polizei abgestellt wird. Werbung für das Alltagsradeln ist das allerdings nicht.

… wird in der Zeitung meist positiv über Radfahrer/innen berichtet. (Note 4,2)

Oh ja die Zeitungen. Über Pressemeldungen und Presseartikel, die Radfahrer zum Gegenstand haben könnte man ganze Romane schreiben. Die Kollegen vom Presserad werden mir da sicherlich zustimmen. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber gerade beim Thema Radverkehr bwz. Unfälle mit Radbeteiligung ist das Versagen der Presse oft beispiellos. Da es beim Presserad genug Beispiele gibt beschränke ich meine Einschätzung auf die SZ und DNN.

Einige Beispiele aus der letzten Zeit: Radfahrer stirbt nach Zusammenstoß mit Betonmischer. Besonders gehaltvoll ist die Meldung nicht. Relevante Angaben fehlen (Abbiegen nach links oder rechts, Beachtung der LSA, Zeugen, Ursachenforschung, …). Man hat den Eindruck, dass gern mal schnell eine polizeiliche Pressemeldung abgetippt wird. Immerhin hat sich der Radfahrer nichts selbst verletzt

Radfahrer überfällt 82-jährige. Tolle Meldung. Wäre der Dieb bzw. Räuber mit einem Auto geflohen, hätte es dann geheißen „Autofahrer überfällt 82-jährige.“? Oder bei einem Fußgänger „Fußgänger überfällt 82-jährige.“?

Ein weiterer Artikel, der nicht online verfügbar ist, nennt sich:

Sicherer Radweg am Nürnberger Ei – Radfahrer gefährden Fußgänger, weil sie bei Rot nicht anhalten. Eine weiße Linie soll nun für mehr Sicherheit sorgen.

Ich kann den Artikel nicht lesen, aber allein in diesen wenigen Zeilen präsentiert der Autor sein komplettes Unwissen über den Radverkehr. Diese sogenannten „Radwege“ am Nürnberger Ei erfüllen nicht die Mindestbreite von 1,50m, die Oberfläche ist von Ausbrüchen und Grasbüscheln durchzogen, sie führen genau durch den Wartebereich der Fußgängerampel, die abgesenkten Bordsteine erreichen nicht einmal näherungsweise Nullniveau und auf dem Radweg Richtung Löbtau steht ein dicker fetter Mast. Die Benutzungspflicht wurde dort illegal angeordnet.

Wartende Fußgänger stehen grundsätzlich ordnungswidrig auf dem Radweg. Die ganze von der Dresdner Verkehrsplanung und dem STA fabrizierte Situation provoziert beide Verkehrsgruppen zu ordnungswidrigem Verhalten, damit der KFZ-Verkehr dort ungehindert langrasen kann.

Einen besonders schlechten Artikel hatte ich sogar hier im Blog erwähnt.

Der Klimatest wurde sogar etwas genauer unter die Lupe genommen. Dass Gunter Thiele, der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Stadtrat, die Kritik nicht teilen kann liegt wahrscheinlich daran, dass er noch nie das Fahrrad als Fortbewegungsmittel in Dresden genutzt hat. Allein für diese Aussage sollte er zurücktreten, denn dass er keine Ahnung hat, ist spätestens jetzt jedem klar. Was Marx so alles macht oder nicht macht, das wissen wir ja. Hauptsache irgendwas labern.

Die DNN macht es manchmal etwas besser. Aus der Betonmischermeldung ist sogar ein Artikel geworden, der ohne Spekulationen und Beschuldigung des Radfahrers auskommt.

Einen Sinnlosartikel hatte ich auch schon erwähnt.

Der Artikel zum ADFC-Klimatest ist nur allgemein gehalten und nimmt keinerlei Bezug zum schlechten Abschneiden Dresdens.

Beim MDR gab’s auch einen Artikel, der großspurig tönt „In Sachsen ist Leipzig bei Radlern am beliebtesten„. Wie man bei einer Schulnote von 3,6 von beliebt sprechen kann ist mir ein Rätsel.

Später mehr.