Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht


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Vollzugsdefizit

Ich habe ein neues Wort gelernt! Aber der Reihe nach.

Brache Marienbrücke

Illegales Parken im Landschaftsschutzgebiet

Die Brache liegt am Elberadweg zwischen ebendiesem, der Marienbrücke, einer Gartensparte und der Uferstraße. Da dort täglich Kraftfahrzeuge parken und beim Wenden über den Elberadweg fahrern, werden immer wieder große und kleine Steine auf dem Weg verteilt. Wenn man da nicht aufpasst, kann man sich durch das Überfahren eines größeren Steins schon mal hinlegen.

Da der „Parkplatz“ sehr nah an der Elbe liegt und nicht einmal kostenpflichtig ist, hab ich mir mal angesehen, bis wohin das Landschaftsschutzgebiet des Elbufers reicht (Themenstadtplan) und siehe da, das LSG schließt die Brache ein. Damit ist das Befahren und erst recht das Parken von Kraftfahrzeugen verboten. Scheint aber niemanden zu stören. Seit Monaten Jahren. Also schnell per Mail bei Frau Ludwig (die Radverkehrsverantwortliche, wer sich erinnert) angefragt, wie es denn so aussieht mit dem Parken im LSG und ob man das mit Pollern bzw. eher mit Findlingen verhindern könnte. Das war im Februar. Nach einem Monat ohne Antwort (Hallo???) schrieb ich nochmal ’ne Mail zur Erinnerung. Zurück kam eine Autoantwort, dass Frau Ludwig gerade verschollen ist (offiziell: nicht im Büro). Nach einem weiteren Monat meldete sich Frau Ludwig endlich, nur um mir mitzuteilen, dass Sie noch keine Antwort erhalten hat. Immerhin, es gibt sie noch.

Diese Woche flatterte nun die Antwort unserer Umweltschutzbehörde rein. Also nicht nut Umweltschutzbehörde. Die trägt auch noch Wasserschutz und Bodenschutz im Namen. Also alles was rostenden Blechdosen entgegen steht. Lest selbst:

innerhalb des Geschäftsbereichs Umwelt haben wir als Naturschutzbehörde Ihre Mail zur Beantwortung erhalten. Im LSG „Dresdner Elbwiesen und -altarme“ ist es grundsätzlich verboten, Kraftfahrzeuge außerhalb der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen, Wege und Plätze zu fahren oder abzustellen. Das besondere Vollzugsdefizit im Zuge der verlängerten Uferstraße mit der derzeit relativ ungehinderten Zufahrt ist uns bekannt. Wir streben eine Umgestaltung des ehemaligen Lagerplatzes des Straßen- und Tiefbauamtes in Richtung Entsiegelung/Bepflanzung an. Dies soll mittelfristig im Zuge der Neuordnung des Gesamtbereiches mit dem Bebauungsplan Leipziger Straße/Neustädter Hafen erfolgen. Ihr Ansprechpartner bezüglich der Inhalte dieser Planung und der Zeitschiene ist das Stadtplanungsamt, verbindliche Bauleitplanung. Wir danken für Ihr Verständnis.

Wow, eindeutiger kann man gar nicht sagen „Interessiert uns nicht!“. Zur Erinnerung: Das steht was von Naturschutz im Namen. Am besten gefällt mir das Wort „Vollzugsdefizit“. Genial. Spontan assoziiere ich das mit Intelligenzdefizit. Oder Willensdefizit. Auf meinen Vorschlag mit den Findlingen sind die gar nicht erst eingegangen. Dass die Umgestaltung Jahre dauern wird, weiß jeder, der mit den Schnarchern vom Stadtplanungsamt schon zu tun hatte.  Den letzten Kommentar finde ich schon unverschämt.

Ich werde doch mal direkt Frau Jähnigen (Grüne Umweltbürgermeisterin) anschreiben und ihr mein Zufriedenheitsdefizit mitteilen. Mal sehen, ob die Grünen was anderes Können als Quatschen.


					
		
	


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Auch diesen Winter kein Winterdienst auf Dresdens Radwegen

Die Oberbürgermeisterwahl hat für Radfahrer mit dem Sieg von Hilbert erwartungsgemäß nichts gebracht. Heraus kam alter Wein in neuen Schläuchen, aber was will man von einem FDP-Mitglied auch erwarten?

Meine Anfrage, ob es diesen Winter endlich den lange überfälligen Winterdienst auf Radwegen geben wird, wurde wie folgt beantwortet:

Schreiben_Verwaltung

Kein Winterdienst auf Radwegen

Die Verwaltung versagt beim Thema Radverkehr weiter auf ganzer Linie. Bezüglich der angeblichen Schätzung des ADFC kamen auch von dort Zweifel auf. Die Antwort  auf meine Nachfrage wird verwaltungstypisch wohl noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.


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OB-Wahl aus Radfahrersicht

Nachdem Orosz endlich weg vom Fenster ist bekommen wir nach sieben Jahren des Stillstands endlich einen neuen Oberbürgermeister. (Nicht nur) in Sachen Radverkehr hat Orosz völlig versagt. Wer Radfahrern empfiehlt in allen Wintermonaten den ÖPNV zu nutzen, weil dies sicherer sei, hat ja wohl den Schuss nicht gehört.

Wichtigster Anhaltspunkt war natürlich das Forum des ADFC mit Stange und Ulbig. Die Antworten wurden protokolliert. Hilbert ließ sich entschuldigen, hat aber immerhin seine Antworten zu den vorher feststehenden Fragen eingesendet. Die Nichtteilnahme kann man natürlich auch entsprechend deuten.

Neben dem üblichen Politikgelaber kann man die Fahrradfreundlichkeit meiner Ansicht nach an einigen wenigen (genau zwei) Punkten festmachen.

1. Wer fährt selbst Fahrrad?

Stange gibt immerhin zu, dass sie nicht selbst Rad fährt, u.a. mit der Ausrede, dass die den Berg hoch muss. Dass es E-Bikes und Pedelecs gibt, die das Problem lösen hat sich wahrscheinlich noch nicht zu ihr rumgesprochen. In dem Fall ist es einfach Faulheit. Immerhin hat sie eine Tochter, die ihr die Ohren über die miesen Radfahrbedingungen vollheult. Auf ihrer Internetpräsenz wird das Radfahren nur kurz erwähnt.

Ulbig sagte zwar, dass er gern und viel Rad fährt, seine Aussage darf aber in höchstem Maße bezweifelt werden. Warum muss er sich erst ein Rad kaufen, wenn er soviel fährt? War das Alte pünktlich zur Wahlkampfzeit kaputt? Ich habe zwar auch drei Räder, aber als Innenminister wird man sich wohl kaum die Zeit nehmen mehrere Räder auszufahren. Immerhin thematisiert er das Radfahren am umfänglichsten auf seiner Internetpräsenz.

Hilbert posiert auf seiner Seite auf einem Leihfahrrad. Putzig. Weitere Erwähnungen des Radverkehrs gibt es keine. Der typische Autofahrer, der Radfahren nur vom Hörensagen kennt und nur auf den Pro-Rad-Zug aufspringt, weil es gerade angesagt ist. Dass er zur Fahrradhasserpartei FPD gehört spricht nicht für ihn. Großspurig Tönen und nichts machen, wie Orosz.

2. Winterdienst auf Radwegen

Genau an diesem Punkt wird klar, ob man das Radfahren ernst nimmt und auch dafür Geld ausgeben will oder ob man nur die positiven Werbeeffekte des Radfahrens für sich nutzen will, obwohl man keinen Finger krümmt (Beispiel Stadtradeln).

Stange hat im Zuge des ADFC-Forums einen Winterdienst zugesagt. Ulbig hat das abgelehnt (soviel zum Thema er fährt oft und gern Fahrrad). Von Hilbert habe ich keine Aussage gefunden. Ich hab ihn diesbezüglich über sein Kontaktformular befragt. Angeblich will er ja alle Fragen beantworten. Mal sehen, ob was kommt.

Fest steht, dass der Radverkehr auch unter dem neuen OB keine großen Sprünge machen wird. Dazu fehlt es am Vorausdenken und vorallem am Willen den motorisierten Verkehr einzuschränken und den verfügbaren Platz gemäß der Verkehrsanteile gerechter aufzuteilen. Man kann letztendlich nur die Person wählen, mit der es am wenigsten Stillstand geben wird. Das sind meiner Meinung nach weder Hilbert noch Ulbig.