Dresden gegen Radfahrer

Wie die Stadt Dresden Radfahrern das Leben schwer macht


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Ein Sieg, der keiner ist: „Schutzstreifen“ Antonstraße

Letztes mal beschrieb ich ja die Situation an der Antonstraße. Zu der Zeit wusste ich nicht, dass gegen die Verkehrsführung der Radfahrer eine Klage läuft.

Sowohl Neustadt-Geflüster, SZ und DNN berichten darüber. Der ADFC konnte sich immerhin einen Tweet abquälen. Der Sinn der Bildunterschrift des Fotos im Blogeintrag des Neustadtgeflüsters entzieht sich mit allerdings.

Michael Ton, Neustädter Ortsbeirat, klagte gegen den seiner Meinung nach zu kurz markierten Schutzstreifen und forderte dessen Verlängerung bis zur Erna-Berger-Straße, wie geschrieben wird.

 

Zitat SZ:

In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem, dass die gelb-gestrichelte Markierung wegen „der besonderen Gefahrenlage für Fahrradfahrer“ erforderlich sei.

 

Zitat DNN:

Aus Sicht des Gerichts ist das nicht zumutbar, deshalb muss nun der Schutzstreifen eingerichtet werden.

 

So schön oder eher traurig es ist, dass gerichtlich festgestellt werden musste, dass die Dresdner Verkehrsbehörde mal wieder rechtswidrig handelt, so wenig nutzt das Urteil den Radfahrern.

Leider konnte ich bisher weder Klageschrift noch Urteilsbegründung finden (später ggf. mehr), aber der Vorgang bezeugt allen Beteiligten wenig Ahnung von sicherer Radverkehrsführung. Dies betrifft sowohl das Straßen- und Tiefbauamt, als auch Herrn Ton und das Gericht.

Wie ein Schutzstreifen die angebliche „besondere Gefahrenlage für Fahrradfahrer“ entschärfen soll, wird mir nicht klar. Hier wäre ich an einer Antwort von Herrn Ton und dem Gericht interessiert, vermute aber, dass lediglich subjektive Empfindungen eine Rolle spielen und keine belegbaren Fakten. Bernd Sluka hat die Problematik sehr gut beschrieben. Die Abstände, mit der Radfahrer innerhalb des verlängerten Schutzstreifens überholt werden, werden garantiert nicht größer werden. Nach meinen Erfahrungen sogar geringer, da viele KFZ-Führer meinen/denken/träumen, sie dürfen bis zur gestrichelten Linie ranfahren, selbst wenn sie den Radfahrer dann mit einem Abstand von 10cm überholen. An der grundlegenden Verkehrssituation wird sich allerdings mit Schutzstreifen überhaupt nichts ändern.

Die nun gerichtlich festgestellte „besondere Gefahrenlage für Radfahrer“ auf der Fahrbahn, verschlechtert die Chancen für eine Klage gegen die generelle Radwegbenutzungspflicht auf der Antonstraße zwischen Neustädter Bahnhof und Albertplatz. Radfahrer müssen also weiterhin auf dem völlig unangemessenen Gehweg fahren, ohne Aussicht auf Verbesserung. Mit der Baustelle und der Radverkehrsführung auf die Fahrbahn hatte das STA seine eigene Rechtfertigung für den gemeinsamen Geh- und Radweg widerlegt. Ein guter Angriffspunkt für die Aufhebung der Benutzungspflicht, der nun im Eimer ist.

Herr Ton hat also meiner Meinung nach keinem Radfahrer einen Gefallen getan. Im Gegenteil, ich denke er hat die Möglichkeiten einer vernünftigen Radverkehrsführung (= auf der Fahrbahn) wahrscheinlich zunichte gemacht. Auch der ADFC Dresden, der das Urteil zu meiner Verwunderung begrüßt hat, sollte es besser wissen.

 

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Sinnloser (?) Schutzstreifen für die Zwinglistraße

Wie die Stadt Dresden mitteilt, wird seit gestern auf der Zwinglistraße zwischen Comeniusstraße und Stübelallee gebaut. Die Fahrbahn wird verbreitert, um auf der Westseite eine „Radverkehrsanlage“ zu schaffen. Zunächst ist in der Pressemitteilung von einem Radweg die Rede, später von einem Schutzstreifen. Den Unterschied kennen die Pressesprecher mit Sicherheit nicht.
Auch die DNN berichtet über die Baumaßnahmen. Fälschlicherweise wird behauptet, vorher hätte es einen gemeinsamen Geh- und Radweg gegeben, was sich spätestens dann als völliger Blödsinn entpuppt, wenn man sich die Bilder des Artikels ansieht. Dort ist der Weg eindeutig als Gehweg mit Radwegbenutzungsrecht ausgeschildert. Auch eine der Bildunterschriften ist wieder zum Haare raufen. Da wird doch tatsächlich von einer Verbreiterung der Straße gesprochen. Dazu müssten allerdings Gebäude weggerissen werden, weshalb man sich auf die Verbreiterung der Fahrbahn beschränkt.

Der Sinn der ganzen Aktion ist fragwürdig. Wenn es nur ein schmaler Schutzstreifen wird, führt das eher dazu, dass KFZ-Führer geringere Abstände zu Radfahrern halten. Wenn die „Radverkehrsanlage“ rechts der Rechtsabbiegerspur geführt wird, haben wir eine schöne neue Todesfalle auf Dresdens Straßen.